Wenn Julius Streicher zufrieden in der Hölle nickt

Der Spiegel ist eines der unerträglichsten deutschen Medien unserer Zeit. Relevant ist dies jedoch nur deshalb, weil er zugleich das meistgelesene Magazin des Landes ist und nicht etwa nur eine der Zeitung „Neues Deutschland“ vergleichbare Verbreitung hat. Aktuelles Beispiel dafür, warum der von mir an sich entschieden abgelehnte Begriff „Lügenpresse“ manchmal doch zutreffend ist, hat er mit Akif Pirincci geliefert.

 

Der Spiegel zitiert bewusst falsch

In seinen Artikeln über die Rede können wir lesen, was ich hier in Screenshots festhalte:

Dumm nur, dass diese Zitate völlig aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Tatsächlich unterstellt er Politikern, sie würden nicht nur Deutsche zum Verlassen des Landes auffordern, sondern sie wohl am liebsten auch in Lager sperren. Dies ist natürlich eine Aussage, die zum Rest seiner Rede passt. Völlig überdreht, völlig überspitzt, 110% Provokation. Überhaupt, es ist eine Aussage, die zu einer Rede passt, in der wohl kaum ein Satz ohne Beleidigungen und Fäkalausdrücke auskam. Zu einer Rede also, an der es weiß Gott genug zu kritisieren gäbe.

Umberto Eco hat in „Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt“ klare Regeln für die Zitation vorgelegt. Schon die erste Regel bestimmt, dass Zitate ausführlich zu erfolgen haben  (vgl. Eco 1993, S. 197.). Dabei muss das Zitat eine angemessene Länge haben, die klar den Sinn und Zusammenhang des Zitats wiedergibt.

Vielleicht ist es ja erforderlich, keinerlei Anstand und Aufrichtigkeit zu haben, wenn man beim Spiegel arbeitet. Intelligenz wird aber dennoch erforderlich sein. Entsprechend kann man auch von Spiegel-Redakteuren erwarten, dass Sie von diesen Grundregeln des Zitierens wissen. Somit ist die Verkürzung seiner Aussage eine Infamie, die ihresgleichen sucht. Sie ist eine solche Unverschämtheit, ein so ekelhaftes Verhalten, dass wiederum ich meine Worte mit Bedacht wählen muss. Nur so viel: Ich kann mir denken, was heutzutage die Lieblingslektüre von Julius Streicher wäre.

Der Tatsächliche Zusammenhang des Zitats war nämlich dieser:

Als ich bezüglich dieser Rede für ein Hintergrundgespräch von einer Tageszeitung befragt wurde, weil man wohl glaubt ich kenne ihn etwas besser nachdem ich vor zwei Jahren ein längeres Interview mit ihm geführt hatte, sagte ich, dass ich an eine ganz bewusste Provokation glaube. Sein aktuelles Buch würde sich wohl deutlich schlechter verkaufen als sein Bestseller „Deutschland von Sinnen“ vom letzten Jahr. Mit dieser Provokation wollte er so richtig auf die Pauken hauen, damit sein Name wieder ins Gespräch kommt.

Die Titanic sieht das genauso und schreibt:

Akif Pirinçci hat es geschafft: Die „Lügenpresse“ nimmt seine KZ-Provokation von vorgestern wie geplant dankend auf, reißt sie aus jedem Zusammenhang und bedient damit genau die Ressentiments, die seinen Erfolg und den der beschissenen Pegida-Bewegung erst möglich machen. Heute erscheint übrigens sein neues Buch: hier bestellen!

Dass der Spiegel das Zitat in anderen Artikeln in den Zusammenhang setzte ändert daran übrigens überhaupt nichts. Zum einen wurden die beiden oben verlinkten Beiträge nicht unmittelbar nach der Rede veröffentlicht, wo man möglicherweise noch nicht den Zusammenhang kannte, sondern einen Tag später. Zum anderen wäre auch bei einer sofortigen Veröffentlichung in einem so gravierenden Fall eine Abänderung der Artikel zwingend notwendig.

Ein Einzelfall ist diese Art der Berichterstattung übrigens nicht. Der Spiegel ist auch für andere Perlen des geradezu beispielhaft seriösen Berichtens bekannt:

Ein wahres Meisterwerk.

Ein wahres Meisterwerk.

Der Spiegel weiß eben, welche Leser er sich wünscht und welche er bedienen möchte:

Screenshot Spiegel Online Facebook-Seite vom 20.05.2015.

Screenshot Spiegel Online Facebook-Seite vom 20.05.2015.

Hier übrigens mein Gespräch mit Akif Pirincci:

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