Warum nicht mal einen Wal jagen?

Auf meiner Facebook-Pinnwand ist ein Posting aufgetaucht, in dem sich ein Aktivist mit schrillen Tönen über Grindadráp, die traditionelle Grindwaljagd auf den Färöer-Inseln aufregt.

Screenshot Facebook

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So sollen die Grindwale „bestialisch“ „abgeschlachtet“ werden. Es sei ein „Morden“. Das ist natürlich völliger Unsinn.

 

Tiere bluten nun einmal

Die Bilder sind eindrucksvoll, aber nur für den, der glaubt Fleisch komme abgepackt und ausgeblutet aus dem Supermarkt.

Die Jagd findet nach strengen Regeln statt. Das verwendete Gerät ist gesetzlich beschränkt und selbst die Boote dürfen nur eine gewisse Größe haben, was dem Grindwalfang seinen traditionellen Charakter erhält. Die Regeln sind dabei sogar dergestalt, dass auf hoher See entkommenen Tieren nicht nachgestellt werden darf.

Sind die Wale in eine Bucht gerieben, wird ein stumpfer Haken in ihr Blasloch gehängt, womit sie ans Ufer gezogen werden. Dort werden sie mit Messern von ihm kalten Wasser stehenden Männern getötet. Schusswaffen oder Ähnliches ist verboten.

Getötet werden die Grindwale mit dem mønustingari. Dabei werden ihnen das Rückenmark im Nacken und die Halsschlagader durchtrennt, sodass sie innerhalb weniger Sekunden sterben. Sie verbluten also nicht, wie in manchen Berichten behauptet wird.

Während ich an anderer Stelle auch die Trophäenjagd verteidigt habe, wird hier das Tier sogar vollständig verwertet. Die gefangenen Grindwale werden gegessen, etwa 10% des färingischen Speiseplans enthält Grindwale.

 

Grindwale zu jagen ist völlig in Ordnung

Während also blutige Bilder zu sehen sind, ist das jedoch kein Zeichen für eine „bestialische“ Vorgehensweise oder gar ein „Morden“. Tatsächlich würde jeder durchschnittliche Schlachthof eine solche Bucht wohl ebenfalls blutrot färben, würde er das Blut nicht in speziellen Kanälen sammeln und aufbereiten, sondern es einfach in einen Fluss oder See leiten. Sich also über die Bilder zu echauffieren zeigt nur, wie weit man bereits überzivilisiert ist und glaubt, Fleisch komme nicht von Tieren, die einmal gelebt haben, sondern aus dem Supermarkt. Denn, Überraschung: Jedes Tier blutet, wenn man ihm die Arterien öffnet.

Beim Grindadráp werden die Tiere so schnell und effektiv wie möglich getötet. In der Tat hat jeder Jäger oder Angler im Normalfall ja das ureigene Interesse, ein Tier so schnell und so effektiv wie möglich zu töten. Das verkürzt die Leidenszeit, aber auch die Zeit, in der die Beute den Jäger verletzen kann und in der er von dem Machen weiterer Beute abgehalten wird.

Wenige Sekunden dauert das normale Sterben eines Grindwals beim Grindadráp und damit nicht länger als das Sterben eines Tieres im Schlachthof.

Das Ganze jedoch mit einem himmelweiten Unterschied: Die Tiere haben ihr Leben in Freiheit verbracht, während Zuchtvieh, ob es nun Rinder, Schweine, Hühner, Puten oder auch Zuchtforellen sind, sein kurzes Leben in einem Käfig verbringt. Sterben tun am Ende alle. Während die Wale dank ihrer Größe noch individuell getötet werden können, wird der industriell, also nicht durch den Angler, gefangene Fisch noch nicht einmal individuell getötet. Er erstickt und leidet damit mehrere Minuten lang. Warum also ist die Tötung eines Grindwals bestialisch, das Essen eines Herings oder eines Dorschfilets völlig in Ordnung?

Dazu kommt, dass die Grindwale nicht in ihrem Bestand bedroht sind.

Der aktuelle Bestand der Art im nördlichen Atlantik wird auf über 100.000 Tiere geschätzt. Entsprechend gilt sie als häufig und wenig gefährdet.

Die Jagd auf die Wale bedeutet also:

  1. Die Tiere werden gegessen und vollständig verwertet.
  2. Die Tiere werden schnell und effektiv getötet.
  3. Die Tiere werden von Hand und nicht industriell getötet, jeder Jäger muss sich selbst die Hände schmutzig machen.
  4. Die Tiere sind nicht im Bestand gefährdet.

Warum also sollte man sie nicht jagen? Weil sie ja an „Free Willy“ erinnern und sich die Bucht in der der Grindadráp stattfindet rot wird? Und das sollen rationale Argumente sein?

Warum sollte ein Tier, das effektiv und ohne sadistische Verlängerung des Leidens getötet wurde, das nicht im Bestand gefährdet ist und sogar gegessen wird, nicht gejagt und getötet werden? Weil es ein Wal ist? Was ist das für ein Unsinn? Jeder Hering, jeder Thunfisch, jede Scholle musste mehr leiden als der Grindwal. Jedes Schwein wird genauso getötet, nur dass es sein Leben in einer kleinen Box verbracht hat.

Ich kann ja verstehen, wenn ein Veganer das von sich gibt, der tatsächlich keinem Tier ein Leid krümmen will und selbst die Zecke unbeschadet aus seiner Haut zieht und wieder aussetzt. Oder wenn das Tier tatsächlich vom Aussterben bedroht wäre. Ist der Wal aber eben nicht.

Wer aber nur ein Stück Leder in seinem Besitz hat und nur ein Stück Fleisch oder Fisch in den letzten fünf Jahren gegessen hat, der beweist mit dem Protest gegen Grindadráp  nur, wie weit er sich von der Realität entfernt hat.

 

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