Sony hat die Zukunft des Kinos erfunden

Vielleicht, oder eher ziemlich sicher, wird Weihnachten 2014 in die Geschichte der Unterhaltungsindustrie eingehen, mit dem Film „The Interview“. Nicht nur, weil eine Diktatur versucht hat die Veröffentlichung des Films zu verhindern und dazu auch vor Cyberangriffen, laut Definition „kriegerische Akte“, nicht zurückschreckte. Nicht nur, weil es damit Erfolg zu haben schien und die ganze Welt über einen Film sprach den kaum jemand gesehen hatte, was für sich natürlich sofort Verschwörungstheorien befeuerte. Sondern, weil Sony damit eher versehentlich die Zukunft des Kinos erfunden haben könnte.

 

Ein Film über die Ermordung eines Diktators führt zum Cyberkrieg

The Interview ist eine Komödie über zwei zweitklassige Journalisten, die mit Hilfe einer Boulevard-Fernsehsendung nach Nordkorea reisen. Die CIA kontaktiert beide und bittet darum, dass sie den Diktator des Landes, Kim Jong-Un, töten. Sie nehmen an. Wie zu erwarten entwickelt sich das Ganze weitaus anders als geplant. Soviel zur groben Handlung, die für sich genommen keinen außergewöhnlichen Film geschaffen hat. Der Film selbst ist unterhaltsam, aber sicher kein Meisterwerk. Man würde ohne das Drumherum vermutlich schon bald nicht mehr über ihn sprechen. Das hat sich jedoch geändert, als Hacker die Sony-Computer gehackt haben und Interna veröffentlicht haben.

Der Schaden bei Sony selbst dürfte wohl beschränkt sein. Es wurden unschöne Interna bekannt, gleichzeitig erhielt der Konzern jedoch eine weltweite Berichterstattung, ohne dafür bezahlen zu müssen. Inzwischen reagierten wohl die USA ihrerseits mit einer Cyberattacke und schalteten das Nordkoreanische Internet über viele Stunden de facto ab.

 

Die Revolution liegt in der Veröffentlichung

Die wirkliche Revolution liegt jedoch in der Veröffentlichung des Films. Nachdem die Premieren in den Kinos zunächst abgesagt wurden und manch einer vermutete, der Film könnte vielleicht nie veröffentlicht werden, entschied sich Sony kurzfristig, den Film über Streaming-Portale wie Google Play zu verkaufen und zu verleihen.

Entscheidend hierbei ist, dass der Film in ganzer Länge und in bester 1080p Qualität vom Hersteller selbst einen Tag vor der Premiere in Kinos selbst veröffentlicht wurde. Das ist für einen der großen Spieler nichts anderes als eine ausgemachte Revolution. Eine Revolution, welche die ganze Kinowelt umkrempeln könnte.

Natürlich hat es wohl keine zwei Stunden gedauert, bis der Film auch „gratis“ auf illegalen Downloadportalen auftauchte, doch dank der Gratis-Werbung in praktisch allen Medien dürfte der Verkauf und Verleih des Films wohl bestens funktionieren. Fehlende Zwischenhändler wie auch fehlende Kopier- und Logistikkosten lassen die „Herstellungskosten“ je Kopie in den Keller sacken, was die Marge für Sony auch trotz Raubkopien lukrativ machen könnte. Sieht man sich an, was der Konzern auf dem Weg zum Kunden nun an Kosten spart, bleibt ein gewaltiger Batzen Geld bei Sony liegen. Geld, welches der Konzern sonst nie gesehen hätte.

Sony ermöglicht die Filmpremiere im Heimkino noch vor der im richtigen Kino! Screenshot Google Play.

Sony ermöglicht die Filmpremiere im Heimkino noch vor der im richtigen Kino! Screenshot Google Play.

 

Ist das Heimkino das neue Kino?

Noch ist es viel zu früh, um ein Fazit zu ziehen. Wenn man aber davon ausgeht, dass Sony nicht völlig schwerfällig ist, sondern seine Finanzabteilung die Ergebnisse dieser Veröffentlichung genau im Auge behält, könnte sich eine direkte Veröffentlichung von großen Hollywoodfilmen direkt auf Streaminganbietern zur Zukunft des Kinos entwickeln.

Persönlich gehe ich praktisch nicht mehr ins Kino, da man für zwei Personen bei einem Film mit Überlänge und in 3D (häufig ist das keine Wahl, sondern die einzige Option) inzwischen mehr für die beiden Karten bezahlt (12 Euro und mehr pro Stück), als die Blue-Ray des Films ein paar Monate später im Laden kostet. Warum also sollte ich mehr Geld dafür ausgeben, einen Film einmal zu sehen, wenn ich alternativ eine Kopie bekomme, die ich bei Nichtgefallen weiterverkaufen kann?

Indem Sony nun direkt ermöglicht den Film zu kaufen, fällt diese Hürde weg. Dazu kommt, dass heute Kinos zwar noch mit einer großen Leinwand punkten können, ansonsten die Technik in nicht wenigen Wohnungen kaum noch auf einem schlechteren Stand ist. Dazu kann man in Wohnungen den Film pausieren, während man das Bad aufsucht, kann eigene Getränke zu einem Bruchteil der Kosten konsumieren und bei Bedarf auch im „Kino“ rauchen. Dazu kommt, dass hinter einem sitzende Kinder die die ganze Zeit reden und mit ihren Füßen auf die Rückenlehne stampfen schlicht nicht vorkommen können.

Kurzum: Alles zusammengefasst, haben nicht wenige Filmfreunde das bessere Kino zu Hause. Indem Sony nun ermöglicht einen aktuellen Film auch dort zu sehen, könnte eine neue Ära für Kinofilme anbrechen. Sony macht mehr Gewinn. Der Film ist billiger, da das Leihen des Films billiger ist als nur eine Kinokarte, geschweige denn, wenn man die Kosten auf mehrere Freunde umlegt. Zu Hause braucht man nicht anzustehen und schlechte Manieren anderer Kinobesucher zu ertragen, während man genau die Snacks bekommt die man will, zu einem Bruchteil der Kosten. Somit gewinnen mit dieser Variante sowohl Sony, als auch der Filmfreund.

Setzt sich diese Variante um, weil Sony von ihr profitiert (und das sollte der Konzern eigentlich), dann könnte die Kinolandschaft schon sehr bald sehr anders aussehen. Vielleicht hat gestern die Revolution für Kinofilme begonnen. Wir werden es sehen.

Scan to Donate Bitcoin
Like this? Donate Bitcoin to at:
Bitcoin 1D2BxgGcNPMCKu1rrjF9Kqa4Na8pzgogGv
Donate

Ein Gedanke zu „Sony hat die Zukunft des Kinos erfunden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.