Sollte man vielleicht besser den Mund halten?

Wie viel Meinungsfreiheit kann man sich in Deutschland heute noch leisten?

Akif Pirincci hat bei der Pegida-Demonstration eine Rede gehalten. Er selbst hat in der Presse gesagt, man solle ihn gerne Nazi nennen, wenn man das möchte. Da es hier nicht um seine Rede gehen soll und ich keine Lust habe, im Detail über sie zu diskutieren, nehme ich Akif beim Wort. Er hat also eine „Neonazi-Rede“ gehalten.

Nicht nur, dass ein Zitat davon jedoch sinnumkehrend in der Presse zitiert wurde, andere Autoren bei seinem Verleger Random House begannen offensichtlich einen Proteststurm, der zur Kündigung seiner Verträge führte. Gestern konnte ich auf Amazon noch beobachten, dass sei eigentlich gerade erschienenes Buch „Die große Verschwulung“ nur zur Vorbestellung freigegeben war, während sich bei all seinen anderen Büchern, auch bei seinen völlig unpolitischen Romanen, die negativen Bewertungen häuften. Dutzende Bewertungen ohne das „verifizierter Kauf“ Label sprachen davon, Amazon sollte Akif Pirincci aus dem Sortiment nehmen. Dass die Bücher eines solchen Nazis verboten gehörten, etc. Sie haben ihr Ziel erreicht. Heute ist keines seiner Bücher mehr auf Amazon erhältlich.

Selbstverständlich gibt es Vertragsfreiheit und Amazon und Random House können Verträge nach Gutdünken im Rahmen der Vertragsbedingungen und des BGB  kündigen. Allerdings, und das ist hier das Entscheidende, haben es beide wohl nicht aus freien Stücken gemacht, sondern aufgrund des Drucks durch den Mob. Auf Amazon sind so auch weiterhin Bücher von so illustren Autoren wie Che Guevara, Saddam Hussein, Muammar Gaddafi, Josef Stalin oder Mao Zedong erhältlich. An den ethischen Standards scheiterte der Verkauf von Akifs Büchern also nicht. Wo Massenmörder, Folterer, Terroristen und Völkermörder weiter fleißig verkauft werden, sollten ein paar harmlose Bücher eines Hetzers wie Akif doch auch noch Platz finden können. Sie finden sich jedoch nicht mehr, weil der Mob ihre Entfernung erzwungen hat.

 

Für mich stellt sich hier eine wichtige Frage: Wie kann man sich weiterhin auf Deutsch abseits des politischen Mainstreams äußern und dabei gleichzeitig sicher sein, dass man nicht irgendwann das Ziel eines Shitstorms wird, der einem die Existenzgrundlage raubt?

Ich bewege mich klar innerhalb des Rechts, mir kann keiner Rassismus vorwerfen, geschweige denn nachweisen. Ich bemühe mich redlich, so viel wie möglich zu differenzieren und so objektiv wie möglich zu sein. Ich bin Welten von Akif Pirincci entfernt. In sehr vieler Hinsicht.

Dennoch. Bei der aktuellen Entwicklung in Deutschland und dem gerade zu beobachtenden Prozess die wirtschaftlichen Grundlagen von Akif Pirincci zu vernichten, stellt sich mir die Frage, ob ich mich künftig vielleicht lieber zurückhalten sollte. „Bestrafe einen, erziehe Hundert“, sozusagen.

Ich bin weit von Akif Pirinccis Aussagen entfernt, aber jeder weiß, dass die Grenzen sich laufend verändern. Sie sind eben nicht in Stein gehauen, sondern werden permanent neu verhandelt. Was vor 20 Jahren eine Äußerung des Mainstreams war, ist heute mitunter schon radikal. Zumal hier ja die Grenzen noch nicht einmal durch Gerichte neu gezogen werden, sondern schlicht durch den Mob. Vielleicht wird Akif Pirincci am Ende von allen Anklagen freigesprochen. Doch das wird dann weder Amazon, noch Random House noch interessieren.

Aktuell erreiche ich bereits in einer guten Woche bis zu 1,2 Million Menschen mit meiner Facebook-Seite, d.h. wenn es so weitergeht, sollte es eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis auch ich angegriffen werde. Zumal ich ja unzählige Ansatzpunkte biete. Ich bin für Gentechnik, Atomkraft, Interventionen, Israel, USA, Freihandel, Kapitalismus. Ich bin gegen ungesteuerte Zuwanderung, ich mag den Islam nicht, bin gegen den Sozialstaat und gegen Bevormundung. Ich mag die freie Rede und bin mir auch nicht zu schade, das Vorgehen gegen den Hetzer Akif Pirincci (und seine Rede vom Montag rechtfertigt diese Bezeichnung wohl leider wirklich) zu kritisieren. Ja, ich habe sogar ein Video gemacht das die Jagd auf Wale verteidigt. Es gibt also unzählige Punkte, wo mich der heilige Furor der Gerechten des Internets treffen kann.

Aktuell bin ich nur kein Opfer, weil es noch viele bessere Opfer gibt. Es wäre aber naiv zu glauben, dass die aktuellen Shitstormer nicht auch mich als Ziel auswählen würden, wenn sie mit prominenteren Gegnern fertig wären oder meine eigene Prominenz steigt. Der Umstand, dass es vor mir eine lange Schlange vor dem Schafott gibt, ändert aber nichts daran, dass ich weiß, in dieser Schlange zu stehen.

Akif wird es nicht das Genick brechen. Er sollte mehr als genug Geld auf der hohen Kante haben und ist ein so guter Romanautor, dass er problemlos einen neuen Verlag finden sollte, der neue Romane wenigstens unter Pseudonym veröffentlicht, wenn auch zu deutlich schlechteren Bedingungen.

Ich bin jeder aktuell weder ein so guter Autor, noch habe ich so viel auf der hohen Kante.

Dazu kommt, dass es in Deutschland ja die Gratis-Kultur gibt. In den USA konnte jemand wie Andrew Breitbart problemlos davon leben, die aktuelle Politik jenseits des Mainstreams und abseits der politischen Korrektheit zu kritisieren. Hierzulande wäre es wohl schon ein Ereignis, wenn ich nur 50 Euro an freiwilligen Spenden pro Monat einwerben könnte. In den USA wird jemand, der zu seiner Einstellung aus konservativer oder klassisch liberaler Sicht steht, eine positive Berichterstattung auf Fox News bekommen und anschließend auf gofundme 500.000 Dollar an Spenden einsammeln können. In Deutschland ist das undenkbar. Von Spenden kann hier niemand leben, der konservative oder liberale Standpunkte vertritt. Das Vertreten meiner Positionen bringt mir also nur dann essen auf den Tisch, wenn ich damit wenigstens Bücher verkaufen kann. Auf Amazon…

Mein Auswandern, das weiterhin geplant ist und bei dem ich weiterhin auch Schwellenländer in Betracht ziehe, soll aber im Wesentlichen durch meine Einnahmen auf Amazon bezahlt werden. Wenn nun ein Shitstorm zu meiner Sperrung auf Amazon führt, was dann? Muss ich dann in Panama oder Costa Rica kellnern oder die Straße fegen, weil ich ohne Amazon einen wesentlichen Teil meiner Einnahmen verliere?

Bestrafe einen, erziehe hundert.

Vielleicht bin ich paranoid. Vielleicht nehme ich mich zu wichtig und mir wird nie etwas passieren, weil ich eher moderater werde, denn mich zu radikalisieren. Aber die Angst vor den Folgen des Mobs ist für mich real. Sie bedeutet, dass ich mich fragen muss, ob ich mich einer Selbstzensur unterziehe um meine Lebensgrundlage nicht zu gefährden oder ob ich das tatsächlich riskieren soll – ohne deswegen eine handfeste Dankbarkeit in Form von Essen auf meinem Tisch erwarten zu können. Welchen Stand der Freiheit bedeutet das für mich persönlich?

Noch einmal:

Vielleicht bin ich paranoid. Vielleicht nehme ich mich zu wichtig und mir wird nie etwas passieren, weil ich eher moderater werde, denn mich wie andere bei diesem Thema mit jeder Woche mehr zu radikalisieren. Dennoch mache ich mir ganz reale Sorgen.

Wenn ich jedoch nur noch Romane schreibe, dann passiert mir nichts. Ich bin zwar durch und durch ein politischer Mensch und ich lebe zwar Politik, was meine Erfolgsaussichten in Publikationen zu dem Thema noch deutlich wahrscheinlicher machen, aber was ist mit den Folgen?

Selbstzensur beginnt im Kopf. Aus diesem entfernt sie auch kein darüber lustig machen und keine Beschwichtigung entfernen.

Eine offensichtliche Folge ist, dass ich mich aktuell nicht traue bekanntzugeben, in welchem Magazin demnächst ein Auszug aus einem meiner Bücher erscheint. Weil es mir mein Text dort viel zu wichtig ist und ich schlicht Angst habe, dass eine Kampagne am Ende dort die Tür eintritt und den Chefredakteur zur Rücknahme des Artikels zwingt.

Jetzt denke ich ernsthaft darüber nach, ob dies meine letzte politische Äußerung in der Öffentlichkeit sein soll. Besser für meine Zukunft wäre es ohne Zweifel. Von irgendwas muss jedoch auch ich meinen Magen füllen können.

 

Sollte man heute besser Selbstzensur üben??

Bei der aktuellen Entwicklung in Deutschland und dem gerade zu beobachtenden Prozess die wirtschaftlichen Grundlagen von Akif Pirincci zu vernichten, stellt sich mir die Frage, ob ich mich künftig vielleicht lieber zurückhalten sollte. "Bestrafe einen, erziehe Hundert", sozusagen.Ich bin weit von Akif Pirinccis Aussagen entfernt, aber jeder weiß, dass die Grenzen sich laufend verändern. Sie sind eben nicht in Stein gehauen, sondern werden permanent neu verhandelt. Was vor 20 Jahren eine Äußerung des Mainstreams war, ist heute mitunter schon radikal. Zumal hier ja die Grenzen noch nicht einmal durch Gerichte neu gezogen werden, sondern schlicht durch den Mob. Vielleicht wird Akif Pirincci am Ende von allen Anklagen freigesprochen. Doch das wird dann weder Amazon, noch Random House noch interessieren.Aktuell erreiche ich bereits in einer guten Woche bis zu 1,2 Million Menschen mit meiner Facebook-Seite, d.h. wenn es so weitergeht, sollte es eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis auch ich angegriffen werde. Zumal ich ja unzählige Ansatzpunkte biete. Ich bin für Gentechnik, Atomkraft, Interventionen, Israel, USA, Freihandel, Kapitalismus. Ich bin gegen ungesteuerte Zuwanderung, ich mag den Islam nicht, bin gegen den Sozialstaat und gegen Bevormundung. Ich mag die freie Rede und bin mir auch nicht zu schade, das Vorgehen gegen den Hetzer Akif Pirincci (und seine Rede vom Montag rechtfertigt diese Bezeichnung wohl leider wirklich) zu kritisieren. Ja, ich habe sogar ein Video gemacht das die Jagd auf Wale verteidigt. Es gibt also unzählige Punkte, wo mich der heilige Furor der Gerechten des Internets treffen kann.Momentan bin ich nur kein Opfer, weil es noch viele bessere Opfer gibt. Es wäre aber naiv zu glauben, dass die aktuellen Shitstormer nicht auch mich als Ziel auswählen würden, wenn sie mit prominenteren Gegnern fertig wären oder meine eigene Prominenz steigt. Der Umstand, dass es vor mir eine lange Schlange am Schafott gibt, ändert aber nichts daran, dass ich weiß, in dieser Schlange zu stehen.

Posted by Torsten Heinrich on Friday, October 23, 2015

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