Sexismus und anderer Unsinn

Mit meiner Schwester sprach ich vor einiger Zeit über „Nein“ von Frauen. Ihrer Meinung nach habe der Mann bei einem „Nein“ aufzuhören und jedwede Avancen umgehend einzustellen. Ich begegnete darauf, dass, sollte sich jeder daran halten, die Menschheit zu existieren aufhören würde. Egal ob es um eine „kurzfristige Begegnung“, eine Romanze oder eine lebenslange Beziehung geht, gerade in der Anfangsphase ist es die Aufgabe des Mannes, sich voranzutasten. Nur wenn der Mann ausdauernd bleibt, kann er zum Erfolg führen. Würden alle Männer bei dem ersten Nein aufhören, so gäbe es entweder keine Menschen mehr, oder aber Frauen müssten die Initiative ergreifen.

 

Ein kleines Überschreiten der Grenzen ist unvermeidbar

Es ist schlicht unvermeidbar, Grenzen zu überschreiten, will man(n) zum Ziel kommen. Ob es der erste Kuss ist, der für die Frau überraschend früh kommt. Ob es die Einladung zur Übernachtung ist, oder der Versuch der Frau aus ihrem Pullover zu helfen. Oftmals geht der Mann zu schnell vor. Jeder Leser, ob Mann oder Frau, wird das kennen. Was wäre denn, wenn die Irren es schaffen würden, ein Klima der Angst unter Männern zu erzeugen? Was wäre, wenn jeder Mann nach einem Nein – und am besten schon vorher – öffentliche Kreuzigung oder gar strafrechtliche Konsequenzen zu erwarten hätte? Wie sollte das Kennenlernen und Näherkommen dann stattfinden? Sollten Männer etwa vor jeder Handlung fragen? „Darf ich Dich küssen?“, „Darf ich Deinen Po anfassen?“
Im Ernst? Ich hätte eine bezaubernde Frau in meinem Leben niemals kennen gelernt, wenn ich mich von einer anfänglichen Ablehnung ihrerseits hätte entmutigen lassen…

 

Frauen sind keine kleinen Kinder!

Was soll diese unselige Bevormundung von mündigen Frauen? Wieso muss jede Frau über einen Kamm geschoren werden? Gibt es nicht etwa Frauen, die stürmische Avancen attraktiv und schmeichelhaft finden? Ziehen Frauen enge Hosen wirklich nur an, weil sie ihnen selbst gefallen, nicht etwa weil sie es genießen, von Männern begehrt zu werden? Ist es nicht viel eher das Problem an der Brüderle-Geschichte, dass es sich um den alten Brüderle gehandelt hat? Hätte die empörte Journaillistin ebenso reagiert, wenn Brad Pitt oder George Clooney, oder wen auch immer jemand ihres Schlages gerade anhimmelt, den Kommentar über ihre Fähigkeit zum Füllen von Dirndln gemacht hätte?
Wo ist das Problem, wenn eine Frau ein Kompliment bekommt, das ihr nicht gefällt? Ich bin eben gerade nicht sexistisch, weil ich davon überzeugt bin, Frauen können sich selbst helfen. Wenn eine Frau meine Avancen nicht mag, wird sie ja wohl in der Lage sein, mir dies deutlich mitzuteilen. Sie wird, sollte ich mich nicht beirren lassen, die Heftigkeit ihrer Ablehnung schon äußern können. Denn auch Männer bekommen Avancen die ihnen nicht gefallen. Nur ist die Gesellschaft hier tatsächlich wieder sexistisch, weil sie von einem Mann schlicht erwartet, er müsse mit unerwünschten Avancen leben können, ohne deshalb gleich eine Mitleidstour zu fahren. Es sei denn natürlich, der Mann reagiert heftig ablehnend auf die Avancen eines anderen Mannes. Dann ist er natürlich homophob und gehört auf dem Scheiterhaufen der öffentlichen Meinung verbrannt.
Ist es wirklich zuviel verlangt, dass eine Journalistin nach einer unpassenden Avance eines Politikers einfach: „So nicht, mein Lieber“ sagt, oder ihm von mir aus auch ihr Getränk ins Gesicht schüttet?

 

Reißt Euer Maul auf, verdammt!

Wenn sich eine Frau belästigt fühlt, soll sie es verdammt noch einmal sagen. Mit der einen Frau kann man den ganzen lieben langen Tag schmutzige Andeutungen und Witze machen, sie beantwortet diese möglicherweise mit gleicher Münze. Es soll nämlich tatsächlich Frauen geben, die mit ihrer Sexualität im Reinen sind und diese auch selbstbewusst genießen.
Wenn eine Frau den Umgangston eines Mannes hingegen nicht erträgt, ist es dann wirklich zuviel verlangt, dies so zu äußern? Ab dann ist es ja schlicht eine Frage der Höflichkeit, damit aufzuhören. Dafür brauche ich dann keine Journaillisten und Politiker, die mich belehren wollen. Dafür reicht mein Elternhaus völlig aus.

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