Korporatismus am Beispiel der Fernbusse

Viele Menschen glauben ja, wir lebten in einem Kapitalismus. Das empörte Herunterbeten von Vokabeln wie „Raubtierkapitalismus“ oder „Turbokapitalismus“ sind Zeugen davon. Tatsächlich ist es eher ein 3/4 Sozialismus, wie Roland Baader richtiggehend feststellte.

Diese Simulation von Kapitalismus kennt jedoch auch eine andere Bezeichnung: „Korporatismus“. Vereinfachend kann man das als „Big Government and Big Business“ bezeichnen, also eine Wirtschaftsform, die durch eine Absprache von Großkonzernen mit einem gewaltigen aufgeblähten Staat gekennzeichnet sind. Kennzeichnend für den Korporatismus sind eine Vielzahl von Regulierungen und Regeln, die kleine und mittlere Betriebe praktisch erwürgen, da sie die geforderten Bedingungen nicht erfüllen können. Dem Regulierungs- und Vorschriftenwahn kann eben nur der entsprechen, der sich eigens dafür ausgebildetes Personal leisten kann – was wiederum nur große Unternehmen können.

Die Wichtigkeit der Großkonzerne für die Volkswirtschaft ist im Korporatismus so enorm, dass der Staat sich um sie zu sorgen müssen glaubt. Tatsächlich ist durch die Wegnahme eines Großteils des Marktes und seiner effizienzsteigernden Kräfte eine Wirtschaftskaste entstanden, die oftmals tatsächlich „too big to fail“ erscheint. Damit erlangen Unternehmen enormen Einfluss auf die Regierung und können so an der Erstellung von Gesetzen mitwirken, was sie naturgemäß zur Sicherung ihrer Position und zum Erledigen der Konkurrenz nutzen.

Ein bekanntes vergangenes Beispiel war der Mindestlohn im Zustellergewerbe. Die PIN-Group war mit einem dreistelligen Millionenbetrag von Investoren auf die Beine gestellt worden, viele tausend Menschen hatten in dem Unternehmen eine Anstellung gefunden. Die Konsumenten, also jeder Bürger der Briefe verschickt, hätten bei der PIN-Group billiger ihre Post verschicken können. Doch unter Fürsprache der Post wurde ein Mindestlohn für die Branche eingeführt. Da die Post jedoch von der Mehrwertsteuer befreit ist, die PIN-Group aber nicht, da die Post mit Steuergeldern aufgebaut wurde und von der so durch die Allgemeinheit bezahlten Post-Infrastruktur profitiert, während PIN jede einzelne Büroklammer erst finanzieren musste, konnte die PIN-Group den Mindestlohn nicht bezahlen – die Post aber schon. Am Ende war die Post ihre Konkurrenz los, da die PIN-Group pleite ging, während die Post anschließend wieder fleißig das Porto erhöhen konnte, hatten die Kunden doch keine Alternative mehr. Profitiert haben also nur die wenigen Postangestellten, die nicht schon vorher mehr als den Mindestlohn erhielten, was eine absolute Minderheit gewesen sein dürfte. 7.000 Angestellte der PIN-Group profitierten nicht, sie verloren ihren Job. 80 Millionen Deutsche profitierten ebenfalls nicht, sie verloren eine günstigere Alternative zum Verschicken ihrer Briefe.

Aktuell bahnt sich Ähnliches bei der Bahn an. Der Staatsbetrieb, angeblich privatisiert aber zu 100% in Staatsbesitz und mit vom Staat finanzierter Infrastruktur, bekommt gerade erstmals ernsthafte Konkurrenz durch die Fernbusse. Die fahren pünktlicher, dramatisch billiger, bieten kostenloses WLAN und Sitzplatzgarantie, während die Bahn AG jeden Sommer von hohen und jeden Winter von niedrigen Temperaturen überrascht wird, worauf Zugausfälle folgen. Für eine Fahrt von Würzburg nach Frankfurt kassiert sie aber dennoch gerne 30 Euro oder mehr.

Jetzt bildet sich gerade eine parteiübergreifende Koalition, die der kleinen Oase des Marktes, dem Fernbusverkehr, entweder den Garaus machen will, oder aber ihre Preise so weit erhöhen wird, dass die Bahn wieder konkurrenzfähig wird.

Absurd sind dabei die Begründungen, dass beispielsweise die Kosten der Infrastruktur der Allgemeinheit auferlegt würden. Meines Wissens zahlt die Bahn bis heute nicht einen Kilometer des Bahnnetzes.

Also, lieber Leser: Lassen Sie sich von niemandem erzählen, wir lebten in einer Marktwirtschaft oder in einem Kapitalismus, wenn Regulierungen und Gesetze wie aktuell sind und ein wesentlicher Teil der Wirtschaft direkt in Händen des Staates liegt.

 

 

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