Japan zeigt, wie bessere Rüstungspolitik geht.

Schon in der Vergangenheit bin ich darauf eingegangen, was meiner Meinung nach bei der deutschen Rüstungspolitik falsch läuft. Ein wesentliches Problem sehe ich in der mutwilligen Ausschaltung von Konkurrenz. Japan zeigt aktuell, wie es besser geht.

 

Nur Konkurrenz sorgt für gute Produkte und einen guten Preis.

Was auch immer die Politik reitet, aber mit ihrer Unterstützung oder gar auf ihren Druck hin schließen und schlossen sich mehr und mehr deutsche Rüstungshersteller zusammen. Unter Airbus haben sich inzwischen seit vielen Jahren die meisten ehemaligen deutschen Luftfahrthersteller versammelt. Der deutsche Panzerhersteller KMW und der französische Nexter-Konzern sind eine der letzten größeren Fusionen, die nun verhindern wird, dass ein künftiges französisches Panzermodell in Konkurrenz zu einem Deutschen bei einer Ausschreibung treten kann. Japan geht hier einen anderen Weg.

Der japanische „Helikopter-Zerstörer DDH“ Izumo. Tatsächlich ist es ein Hubschrauberträger, kein Zerstörer. Bild von Yamada TaroEigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, Link

Um der stärkeren Bedrohung durch die rotchinesische PLAN zu begegnen, die chinesische Ansprüche auf japanisches Territorium zu untermauern versucht, wird Japan künftig zwei Fregatten 3.000ts jährlich bauen, statt nur einem Zerstörer mit 5.000ts. Soweit, so unspektakulär. Was Japan bei den neuen Schiffen jedoch macht, ist die von mir bereits in einem früheren Artikel erwähnte Praxis aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, zu der Japan jetzt zurückkehrt.

Das Militär schrieb damals die Entwicklung von neuen Waffen aus, beispielsweise neuen Jagdflugzeugen, und vergab Entwicklungsaufträge an mehrere, meist zwei, Unternehmen. Unter beiden Entwürfen wurde dann der bessere gewählt. Allerdings war es Teil des Auftrags, dass die unterlegene Firma sich an der Produktion beteiligen würde. Damit wurde Konkurrenz erhalten, die zu Wettbewerb und damit besseren Ergebnissen führte, während anschließend die unterlegene Firma durch den mit der Produktion verbundenen Technologietransfer ihre Defizite aufholen konnte.

So wurde der Entwicklungsauftrag für ein neues Flugzeugträger-Jagdflugzeug an Nakajima und Mitsubishi vergeben. Der siegreiche Entwurf, der später als A6M Zero weltberühmt werden sollte, war von Mitsubishi. Allerdings wurde eben auch Nakajima an der Produktion beteiligt.

Wie Reuters berichtet, wird erwartet, dass sich Mitsubishi Heavy Industries, Japan Marine United Corp (JMU) und Mitsui Engineering and Shipbuilding an der Ausschreibung beteiligen werden. Teil der Ausschreibung ist jedoch jetzt bereits die Bedingung, dass wesentliche Teile der Produktion durch die unterlegenen Firmen durchgeführt werden wird. Dies erhält die anderen Werften und ermöglicht auch künftig weiter echte Konkurrenz. Es wäre wünschenswert, wenn auch Deutschland sich diese Praxis zum Vorbild nehmen würde.

 

 

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2 Gedanken zu „Japan zeigt, wie bessere Rüstungspolitik geht.

  • Hallo Torsten,

    Das große Geheimnis Japans ist, der konsequente Pragmatismus innerhalb der japanischen Mentalität, aufgrund dessen in keinem anderen Land def Politideologischen Konservatismus als Staatsdoktrin, auf einem derartig hohen Niveau funktioniert wie in Japan.

    „Der Ausdruck Pragmatismus (von griech. πρᾶγμα pragma „Handlung“, „Sache“) bezeichnet umgangssprachlich ein Verhalten, das sich nach bekannten praktischen Gegebenheiten richtet, wodurch das praktische Handeln über die theoretische Vernunft gestellt wird. Im Pragmatismus bemisst sich die Wahrheit einer Theorie an ihrem praktischen Erfolg, weshalb pragmatisches Handeln nicht an unveränderliche Prinzipien gebunden ist.“

    Diese Rüstungspolitische Entschluss hatte sich halt schon unter den wiedrigen Bedingungen Japans im WW2 – aufgrund der politischen Krisensituation bzgl. dem zum radikalen Fanatismus hin idealisierten Pragmatismus der japanischen Eliten (Wissenschaft, Politik, Militär) und der ökonomischen Krisensituation bzgl. u.a. der Rohstoffversorgung – weswegen dieser ja von Nöten war, in der Praxis ausserordentlich gut bewährt. Das die selbe Rüstungspolitik aus der heutigen ökonomischen Betrachtungsweise, derart logisch höchst vernünftig erscheint das man meinen könnte John Maynard Keynes selbst wäre da am Werke gewesen, liegt ja schlussendlich nur an der aktuell Krisenbefreiten Situationsbedingungen.

    Den Pragmatismus der Japaner erkennt man auch daran sehr gut, das man in der Wirtschaftspolitik trotz einer Staatsverschuldung von 249%/BIP garnicht erst auf die ohnehin unsinnige Idee kommt, deswegen in einem wirtschaftsopportunistischen Reaktionismus zu verfallen um an einer Symptomatik rum zu reformieren, womit man aber an der systematischen Ursache rein garnichts verändert. In Japan ist man sich schlicht und einfach der Tatsache bewusst, das eine Verschuldung überhaupt nur dann zu einem Problem werden kann, wenn man die Forderungen zur abgeltung nicht mehr Fristgerecht bedienen kann. Also wird weiterhin die „Expansive Geldpolitik“ wirtschaftspolitisch mit einer „Expansiven Fiskałpolitik“ volkswirtschaftlich umgemünzt, genau so wie es von John Maynard Keynes nationalökonimisch konzepiert wurde und so lange man damit wirtschaftspolitisch noch kein „Schuldenparadoxon“ generiert, ist man trotzdem gegenüber einer „Liquiditätsfalle“ innerhalb des Wirtschaftskreislauf stabil abgesichert und womit der Schuldgrundbetrag grundsätzlich zu 100% abgedeckt ist. Ein Staat ist nämlich garnicht in der Lage dazu, durch re-investitionen von Geldkapital in den Wirtschaftskreislauf der eigenen Volkwirtschaft Geld „auszugeben“, weil diese internen Staatsausgaben über die Steuerkanäle min. zu 100% zurück in den Haushalt fließen.

    Um so effektiver das Steuersystem ist, also möglichst frei von Oligarchischen Strukturen und einer Staatskapitalistischen Finanzpolitik mit Schwarzer Null – die eigentlich eine Grüne Null+x ist – desto kürzer ist die Umlaufzeit bei der Gelddrehung. Ähm ja, kurz gesagt war es wirtschaftspolitisch ein systematischer Grundsatzfehler 1974 bei der Deutschen Bundesbank, übrigens als erste Zentralbank Weltweit, die restriktive Geldmengensteuerung (Monetarismus) einzuführen, als Reaktion auf die Inflationsentwicklung welche durch die initiierten Ölpreis-schocks 1969 und 1973 bedingt wurde. Die Wirtschaftstheoretische Konzeption des Monetarismus wurde von Milton Friedman (Neoklassik der USA), ausschließlich für die Supernationale Währungspolitik der USA entwickelt. Auch die Bildung von unternehmerischen Wirtschaftsmonopolen wird so weiter verlaufen, weil es durch die politische Deregulierung der Marktwirtschaft (Marktfundamentalismus) ermöglicht wird. Und bitte wenn eine Staatskontrollierte Zentralwirtschaft wie China reihenweise deutsche Unternehmen aufkauft, dann sind das keine Auslandsinvestitionen in unsere Volkswirtschaft als Kapitalanlagen um die Expansions- oder Innovationskraft der Unternehmen zu finanzieren, sondern ein Ausverkauf von technologischer Wirtschaftskraft zwecks des Technologietransfers.

    In Japan wird es solche Wirtschaftspolitischen zustände wohl nie geben, dazu sind die Japaner neben den Pragmatismus eh viel zu abgehoben Technologieverliebt in die eigene Wirtschaftsleistungen. Die negativen Auswirkung davon, also von aussen betrachtet, hat man bei den BWR1 Megawattklasse Gen.III Leichtwasser Reaktoren und der Unternehmensführung in KKW Fukushima Daichii gesehen. Ich denke das Japan aufgrund des Pragmatismus und weil sich die Technologiekstand Gen.III praktisch nicht bewährt hat, nun das gesammte System der Kernenergiegewinnung durch modernisiert wird. Die Technologie hat GE Hitachi mit den EWBSR Gen.III+ LWR Reaktor schon am Start, bei dem das Problem der Restwermeschmelze welches nur bei LWR Megawattklasse Reaktoren möglich ist, unmöglich ausgeschlossen wurde. Explodieren wie in Tschernobyl konnte ohnehin nur der dortige RMBK Reaktortyp. Dazu hat GE Hitachi mit dem Gen.IV PRISM (IFR Technologie) Reaktor auch ein System zum „Schnellen Brüten/Verbrennen“ bereit stehen, womit Japan nun in die Isotopenwirtschaft einsteigen kann. Sprich der IFR als „Schneller Brütet“ ausgelegt wird mit sogenannten Atommüll als Supernovakraftstoff bestückt – den abgebrannten MOX-Brennelementen welche zu 99,3% das nicht Kernreaktionsfähigen Isotope Uran238 enthalten – woraus dann während der Energiegewinnung neues hoch radioaktives Uran235 erbrütet wird, womit man dann wiederum ohne jegliche chemische vor- oder nachbehandlung die Gen.III LWR Reaktoren zur Energiegewinnung bestücken kann.
    https://en.m.wikipedia.org/wiki/GE_Hitachi_Nuclear_Energy

    Russland hat derzeit mit dem BN-600 und BN-800 Reaktoren, zwei IFRs ausgelegt als „Schnelle Brenner“ im kommerziellen Leistungsbetrieb und verfeuert darin zur Energiegewinnung das überschüssige hoch angereicherte Waffenfähige Plutonium der ausgemusterten Sprengköpfe aus der Atomaren Abrüstung. Geil was ehemals Deutsche Spitzentechnologie so alles kann, schließlich standen wir 1985 mit der geplanten Inbetriebnahme des SNR-300 Reaktor im KKW Kalkar kurz davor in die Isotopenwirtschaft einzusteigen. Das Projekt wurde dank der politischen bedenken der Anti-Atomkraft Lobby aber abgebrochen und zu einer der größten Investitionsruinen umfunktioniert. Die angeblichen Technischen Bedenken waren opportunistischer Blödsinn, weil die Betreiber des Hochtemperatur THTR-Reaktor im KKW Hamm mit einer völlig anderen Reaktortechnologie zur selben zeit wegen den selben Technischen und Politischen bedenken, in der öffentlichen Kritik massiv unter Druck gesetzt wurden und darüber hinaus 1985 noch kein Tschernobyl Szenario existiert hat. Ich weiß aber wo den Linksradikalen und den ÖkonihilistIschl ideologisierten Sozialisten der Gegen-Kulturelle Bewegungsschuh, neben dem latenten Ökofaschismus natürlich, wirklich gedrückt hat oder noch immer drückt. Die Nazis hatten schon 1942 ein funktionsfähiges KKW rein zur Energiegewinnung ich meine in Schweden im Betrieb, was von einem Englischen Spezialkomando gesprengt wurde.
    http://nuklearia.de/2016/10/11/die-atomkatze/
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Kalkar

    Jedenfalls wollte ich nur mal Sachlich aufzeigen, wie weit und vor allem seit wann die deutsche Wirtschaftspolitik schon auf abwegen unterwegs ist. Die Agenda2010 für Deutschland (Kombination aus Indifferenter+Restriktiver Fiskałpolitik) wurde bewusst wegen der konzeptionellen Zielsetzung im Jahr 2010 so benannt, das war noch nie eine allgemeingültig anwendbare Nationalökonomische Konzept der Wirtschaftswissenschaften. Trotzdem wird z.b. natürlich unter deutscher Führung für das „Deficit Spending“ (Direktfinanzierung zur re-investiven Anschubfinanzierung) von Griechenland gefordert, die praktischen Inhalte der Agenda2010 dafür umzusetzen um aus der Wirtschaftsrezession raus zu kommen. Das ist Absurd und ergibt absolut keinen logisch vernünftigen Sinn, jemanden Geld zum nicht ausgeben zu geben ist schlichtweg völliger Unsinn.

    Kulturoptimistisch Ich hoffe es zwar nicht, aber meine Liberalradikale Auffassung meint die Story des Demokratismus in Deutschland – Friedrich August von Hayek würde es eine totalitäre Demokratie nennen – wird ein unschönes Ende nehmen.

    mfg

    • Dass ich einer Menge davon nicht zustimme, im Besonderen den wirtschaftspolitischen Ansichten, erklärt sich Lesern meines Blogs von selbst.

      Diese Rüstungspolitische Entschluss hatte sich halt schon unter den wiedrigen Bedingungen Japans im WW2 – aufgrund der politischen Krisensituation bzgl. dem zum radikalen Fanatismus hin idealisierten Pragmatismus der japanischen Eliten (Wissenschaft, Politik, Militär) und der ökonomischen Krisensituation bzgl. u.a. der Rohstoffversorgung – weswegen dieser ja von Nöten war, in der Praxis ausserordentlich gut bewährt.

      Das hier verlangt allerdings nach einer Korrektur. Die entsprechende Politik erfolgte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg. Und während sie sich in der Erhaltung von konkurrierenden Unternehmen bewährt hat, hat sich die Rüstungspolitik Japans selbst keineswegs bewährt, wie man ein wenig am Kriegsausgang erkennen kann. Im Besonderen der Umstand, dass sich Heer und Marine konkurrierende Luftwaffen gehalten haben (die Marine hatte dazu auch noch – mit Einschränkungen – ein eigenes „Landheer“), war aus Sicht der effizienten Materialbeschaffung ein Fiasko. Die ständige Konkurrenz beider Waffengattungen, die miteinander fast (Übertreibung) genauso im Konflikt standen wie dem Feind, war alles andere als gut und effizient. Entsprechend erfolgte auch ein ständiges Kämpfen um die Rohstoffe, während beide Waffengattungen ihren eigenen Krieg führten, ohne sich dabei großartig mit dem anderen Teil der Streitkräfte abzusprechen. Das führte sogar zu der Absurdität, dass das japanische Heer eigene Schiffe betrieb, darunter kleine Flugzeugträger und Flugzeugtransporter. Im Prinzip waren es also zwei komplett eigenständige Armeen mit jeweils eigener Marine, Luftwaffe und Landstreitkraft. Dass das Resultat bei dem bestehenden Mangel an Ressourcen und industrieller Kapazität mehr als zweifelhaft war, kann wenig überraschen.
      Der genannte Fanatismus hat darüber hinaus auch keine mir bekannten militärischen Vorteile erzielt, der „ausserordentlich gut bewährt“ rechtfertigen würde.
      Der militärische Nutzen der Kamikaze kann diskutiert werden. Unter den gegebenen Umständen war es eine Waffe mit hohem Potential, das durch falsche Doktrin nicht ausgeschöpft wurde. So sollten erst bei der Invasion der Heimatinseln die Transportschiffe vorrangiges Ziel sein, statt schwer gepanzerten, schwer bewaffneten und agilen Kriegssschiffen. Aber darüber hinaus hat Fanatismus selten einen hohen militärischen Nutzen, weil er eine rationale Aufarbeitung und Bewertung militärischer Optionen verhindert.

      Während also die Praxis eine Konkurrenz von Betrieben zu erhalten richtig ist, kann dies über die Ausrüstung und Praxis der Rüstungspolitik Japans über dieses Element hinaus im Zweiten Weltkrieg und davor nicht gesagt werden.

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