Gegen den Drohnenhype


Drohnen machen Kampfflugzeuge nicht im Geringsten obsolet!
U.S. Navy photo by Photographer’s Mate 2nd Class Daniel J. McLain

Drohnen sind keine Alternative für konventionelle Kampfflugzeuge. Wer glaubt sie würden in absehbarer Zeit die einzigen fliegenden Kampfmaschinen sein liegt völlig falsch.

Als kürzlich die Bundeswehr bekannt gab, über die Beschaffung bewaffneter Drohnen nachzudenken, war manch selbsternannter „Experte“, in der Zusammenarbeit mit Medien, sich nicht zu schade, Drohnen zu den Kampfflugzeugen der Zukunft zu erklären. Dies ist jedoch aus vielfacher Sicht falsch und wird hoffentlich von Seiten der entsprechenden Planer nie übernommen werden.

Keine Frage, Drohnen sind hervorragend

Keine Frage, Drohnen sind eine hervorragende neue Waffentechnik. Das fehlen eines Piloten an Bord ermöglicht es, diese Fluggeräte in einer Art und Weise einzusetzen, wie es mit Flugzeugen nie möglich wäre.
Die Flugzeit eines Flugzeugs ist neben dem Treibstoff immer auch durch die Piloten begrenzt. Die wenigsten Kampfflugzeuge haben eine Möglichkeit für ihre Besatzung sich zu entspannen, fast keines hat eine Toilette an Bord. Auch Nahrung und Wasser können verständlicherweise nur in begrenztem Maße mitgenommen werden. Dagegen ist die Flugdauer einer Drohne alleine durch ihren Treibstoffvorrat begrenzt. Theoretisch spielt daneben nur noch der Verschleiß eine Rolle, die notwendige Wartungsintervalle dürften in der Realität aber keine Rolle spielen. Wo ein Pilot nach wenigen Stunden wegen der körperlichen und psychischen Belastungen an Effektivität verliert, kann ein Drohnenpilot das Fluggerät aus einem bequemen Schreibtischstuhl steuern und alle paar Stunden von einem Kollegen abgewechselt werden, wenn die Steuerung nicht ohnehin weitgehend automatisch erfolgt. Auch ist bei dem Verlust einer Drohne nur das Material verloren, der Pilot bleibt hingegen viele Kilometer vom Einsatzort entfernt sicher. Dies ist ein unbestreitbarer Vorteil von Drohnen.
Auch können Drohnen in der Zukunft theoretisch zu Leistungsspitzen fähig sein, denen die menschliche Physis längst Grenzen gesetzt hätte. Kein Jagdflugzeug wird nennenswert über neun G Kurvenbelastung ausgesetzt werden, da der Pilot ansonsten das Bewusstsein verliert. Eine Drohne hingegen muss theoretisch nur entsprechend konstruiert werden.
Auch die Nutzlast kann theoretisch steigen, da zwar auch die Steuerungstechnik ihr Eigengewicht hat, dabei aber weitaus weniger Luftwiderstand erzeugend untergebracht werden kann, ist doch theoretisch das Verteilen über den ganzen Rumpf möglich.

Drohnen haben Schwächen die ein richtiger Gegner ausnutzen kann

Doch auch Drohnen haben ihre Schwächen. Da der Pilot nicht an Bord ist, müssen sie also ihre Missionen entweder vollständig autonom durchführen, oder aber in permanentem Kontakt mit ihren Piloten stehen. Wird die Drohne jedoch aus der Entfernung gesteuert, so ist der Kontakt durch einen entsprechend technisch versierten Gegner störbar. Schon die Aufständischen im Irak waren in der Lage die damals noch unverschlüsselten Videobilder von Aufklärungsdrohnen mitzuschneiden. Dies ermöglichte ihnen, die Aktionsweisen von Drohnen zu erforschen und sich entsprechend auf sie vorzubereiten. Beim Kampf gegen die Taliban in afghanischen Bergen mag eine hochwertige Verschlüsselung ausreichenden Schutz bieten, doch schon die Iraner waren in der Lage die streng geheime Stealth-Drohne RQ-170 abzuschießen oder zu erbeuten. Wie dies gelang ist bislang unklar, zumindest von iranischer Seite wurde dagegen kolportiert, man habe die Verbindung zur Basis gestört und anschließend die GPS-Signale für die automatische Rückkehr so manipuliert, dass die Drohne auf einem iranischen Flugplatz landete. Dies dürfte vermutlich Propaganda sein, zeigt aber die theoretische Anfälligkeit. Sollte sich eine Nation daher auf Drohnen beschränken, so wird sie im Ernstfall möglicherweise ohne Luftunterstützung dastehen. Dies kann sich kein Land leisten.
Wird die Drohne hingegen automatisch gesteuert und steht in keinem Kontakt zum Boden, so mag sie weitgehend störungsunanfällig sein. Sie wird zugleich aber kaum in der Lage sein, auf plötzliche Anforderungen spontan zu reagieren. Das heißt eine Aufklärungsmission unweit das vorgeplanten Flugwegs wird nicht erfolgen können, was bei einem normalen Aufklärungsflugzeug kein Problem ist. Zudem wird es sich keine zivilisierte Nation leisten, einen vollautomatischen Waffeneinsatz zu ermöglichen. Die möglichen Opfer unter Zivilisten und unter eigenen Truppen nach einer falschen Identifikation sind nicht hinnehmbar.

Unsinnige Argumente über die fehlende Neuentwicklung von Kampfflugzeugen

Als unsinnigstes Argument führen diese „Experten“ dann an, dass die Amerikaner ja schon überhaupt keine Nachfolgermodelle für ihre F-22 und F-35 entwickeln würden. Eine solche Aussage ist nur auf eine völlige Unkenntnis der Materie zurückzuführen!
Kampfflugzeuge sind keine Handys, die aus Gründen des Marketings alle sechs Monate durch ein möglichst neues und innovatives Modell ersetzt werden müssen. Kriegsgerät hat eine Aufgabe zu erfüllen, mehr nicht. Wenn das aktuelle Gerät dazu weiterhin in der Lage ist, so gibt es schlicht keinen Grund ein neues Modell zu entwickeln, vor allem wenn kein potentieller Gegner seinerseits überlegene Modelle erwarten lässt.
Gerade auch wegen der exorbitanten Entwicklungskosten werden statt dessen die bestehenden Modelle so lange weiterentwickelt, wie die Kosten-Nutzen Rechnung aufgeht. Jahrzehntealte Modelle, seien es nun die deutschen Kampfpanzer vom Typ Leopard 2, oder aber Kampfflugzeuge der Typen F-16, F-15 und F/A-18 sind in ihren neuesten Ausfertigungen weiterhin in hohem Maße leistungsfähig. Dies wurde erreicht, indem sie viele Male mit Hilfe von Kampfwertsteigerungen den aktuellen und erwarteten Anforderungen angepasst wurden. Gleiches ist für die F-22 bereits angekündigt, gleiches wird bei dem Eurofighter gerade durchgeführt, gleiches ist bei der F-35 zu erwarten.
Erst wenn die damit zu erreichenden Kampfwertsteigerungen den Anforderungen ihrer Nutzer nicht mehr genügen werden besteht überhaupt ein Bedarf an neuen Flugzeugen. Bei den aktuellen Entwicklungszeiten wird das jedoch Jahrzehnte dauern. Das heißt, nur weil heute nicht unmittelbar mit der Entwicklung eines F-22 Nachfolgers begonnen wurde, wird er noch lange nicht kommen. Dabei ist noch nicht einmal die zu erwartende, und sehr sinnvolle, Geheimhaltung einer Neuentwicklung bedacht.
So wenig wie es Sinn ergeben würde den Kampfpanzer zum Auslaufmodell zu erklären, nur weil die NGP der Bundeswehr nicht weiter verfolgt wurde und aktuell kein „Leopard 3“ in Entwicklung ist, so wenig macht es Sinn, Kampfflugzeuge wegen des Fehlens einer bekannten Nachfolgeentwicklung für obsolet zu erklären.
Gerade wegen ihre menschlichen Steuerung vor Ort, und damit damit theoretisch umsetzbaren völligen Autonomie gegenüber Störungen der Kommunikation, werden Kampfflugzeuge in absehbarer Zeit unersetzlich bleiben!

Drohnen werden bemannte Flugzeuge nur ergänzen, niemals ersetzen!

So lange auch nur die geringe Wahrscheinlichkeit besteht, dass Gegner die Kommunikation zu Drohnen stören könnte, und ohne Kabelsteuerung wird dies wohl ad ultimo so sein, so lange werden Drohnen Kampfflugzeuge nur ergänzen können. Die Verwendungsmöglichkeiten sind hier natürlich vielfältig. Ob Transportmissionen (warum Piloten riskieren wenn man Nachschub zu einem Außenposten fliegt?), Betankungsmissionen (im Prinzip kann man einen fliegenden Tank bauen, der auch aus dem Reservoir für andere Flugzeuge zehren kann und entsprechend enorme Flugdauer haben könnte) oder hoch riskante Einsätze in einem unerklärten Krieg über einem feindlichen Staat, Drohnen haben ihre Berechtigung! Ihr meist deutlich geringerer Stückpreis lässt Drohnen beispielsweise auch zu einer Alternative für die Funktion der Luftpolizei werden, wäre doch das Beschaffen von einem Dutzend „Luftkampfdrohnen“ zum Abfangen von unangemeldeten Zivilflugzeugen für Kleinstaaten deutlich billiger als die Schaffung oder Erhaltung einer eigenen Luftwaffe. Aber welche größere Nation wird es riskieren, ihre komplette Luftwaffe für die Dauer eines Konflikts wegen einer innovativen technischen Störeinrichtung des Gegners zum Nichtstun verdammen?
Selbst wenn all diese denkbaren Störanfälligkeiten tatsächlich lösbar wären, und ich bestreite das, so kann es sich keine Nation mit der Ambition ernstzunehmende Streitkräfte zu unterhalten leisten, vollständig auf bemannte Flugzeuge zu verzichten. So lange nur ein potentieller Gegner über bemannte Flugzeuge verfügt müssten diese vermeintlich obsoleten Systeme weiter vorgehalten werden, um im Fall der Fälle eben doch noch Gleiches mit Gleichem vergelten zu können.

Die Geschichte kennt ein Beispiel: Schlachtschiffe oder Flugzeugträger?
Es gibt hierzu ein wunderbares historisches Vorbild. Im Zweiten Weltkrieg waren Schlachtschiffe nach allgemeiner Auffassung überholt und nur noch zur artilleristischen Unterstützung von amphibischen Aktionen brauchbar. Auch wenn der Konflikt „Flugzeugträger gegen Schlachtschiff“ noch nicht entschieden war, so forderten einige besonders visionäre Militärplaner nach dem Ersten Weltkrieg gar eine vollständige Verschrottung aller Schlachtschiffe zugunsten landgestützter Flugzeuge und Flugzeugträger. Doch wäre es dazu gekommen, wer hätte dann die japanischen Schlachtschiffe in der Schlacht um die Philippinen aufhalten können? Die bloße Existenz japanischer Schlachtschiffe zwang somit die USA zum Besitz eigener Schlachtschiffe, ob diese nun überholt waren, oder nicht!

Nein, wer Drohnen zum Nachfolger aller Kampfflugzeuge erklärt hat keine Ahnung von den Prinzipien der Kriegsführung. F-22 und F-35 werden mit ziemlicher Sicherheit nicht die letzten ihrer Art sein!

 

Update vom 12. April 2012

Am 8 April hat Boeing eine neue Version seines Entwurfs für das F/A-XX Jagdflugzeugs veröffentlicht. Wie ich geschrieben hatte: Es wird eine neue Generation von bemannten Kampfflugzeugen auch nach dieser geben!

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