Frankreichs Sündenfall

Der Verkauf von französischen Mistral-Hubschrauberträgern an Russland ist ein Sündenfall französischer Exportpolitik, wie es ihn bislang noch nicht gab.

Mistral

Ein Schiff der Mistral-Klasse
Foto: Rama via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Frankreichs Exportpolitik war immer wenig wählerisch. Kriegsführende Diktaturen erhielten ohne große Probleme französische Waffen, ob es nun Kampfflugzeuge oder Panzerabwehrraketen waren. Dennoch ist die Lieferung der Mistral-Klasse ein völlig neues Niveau.

Die Mistral ist ein hoch komplexes Meisterwerk der Technik

Flugzeugträger und amphibische Angriffssschiffe sind hochkomplexe Systeme, die man ohne langjährige Erfahrung nicht annähernd nachbauen kann. Die Erfahrung aus den Einsätzen vergangener Bauten fließt dabei genauso mit ein, wie möglicherweise vorhandene Kampferfahrung. Als Beispiel hierfür soll der Zweite Weltkrieg dienen. Während die Flugzeugträger der japanischen Kriegsmarine geschlossene Hangars hatten, hatten die der Amerikaner teilweise geöffnete. Dies machte die Wartung von Flugzeugen auf hoher See in den Amerikanischen ungemütlicher, erlaubte aber gleichzeitig eine stete Durchlüftung. Gleichzeitig hatten die US-Flugzeugträger ein CO2-System an Bord, mit dem die Treibstoffleitungen für Flugbenzin geflutet werden konnten. Dies führte dazu, dass das hoch brennbare Flugbenzin nicht im ganzen Schiff verteilt sein musste, sobald ein Betankungsvorgang abgeschlossen war. Auf japanischer Seite fehlte eine solche Einrichtung. Die Folge davon war, dass sich die japanischen Schiffe nach Treffern mit Benzindämpfen füllten, die dazu auch wegen der geschlossenen Hangars nicht abziehen konnten. Die Folge waren Explosionen der Benzindämpfe, welche u.a. zum Verlust der Shōkaku führten. Die Amerikaner hatten solche Probleme nicht. Solch bauliche Nachteile sind ganz entscheidend für die Schlagkraft von Flugzeugträgern. Vergleichbare Erkenntnisse über moderne Systeme werden jedoch nicht veröffentlicht, während sie auf die Effizienz des Systems im scharfen Einsatz drastische Auswirkungen haben.

 

Russland kann keine solchen Schiffe selbst bauen

Anders als beispielsweise bei Kampfpanzer sind die Investitionskosten in Systeme dieser Art dabei viel zu hoch, als dass man fehlende Effizienz durch Masse ausgleichen könnte. Der Bau der Schiffe dauert Jahre, ihre Preise erreichen nicht selten Milliardensummen.

Russland fehlt die dafür nötige Kompetenz bis heute. Der einzige von Russland je gebaute „wirkliche“ Flugzeugträger, die Admiral Kutznetsov ist beispielsweise der einzige Flugzeugträger weltweit, der auf jeder seiner Fahrten von einem Hochseeschlepper begleitet werden muss, weil sein Antrieb so unzuverlässig ist.

Seine Wasserleitungen sind so inkompetent entworfen, dass sie bei Minustemperaturen durch Einfrieren aufplatzen. Um das zu vermeiden ist das Wasser in 60 Prozent der Kabinen permanent abgestellt. Über die Hälfte der 50 Lattrinen an Bord sind daher auch permanent geschlossen.

Doch selbst wenn alles funktioniert wie geplant, dann ist die Effizienz immer noch eine massive Folge des Designs. Wie oft ein Flugzeugträger täglich seine Flugzeuge einsetzen kann, ist eine Frage der an Bord befindlichen Logistik zum Warten, Betanken und Bewaffnen der Flugzeuge. Wie schnell amphibische Angriffsschiffe ihre Landungstruppen ausschiffen können, wie oft und schnell mitgeführte Hubschrauber eingesetzt werden können – alles ist zwingend von dem Design des Schiffes abhängig. Schon so unbedeutendes wie abknickender Gang kann den Transport von Munition erschweren und die Effizienz daher drastisch senken.

Kurzum: Russland erhält mit der Mistral ein Schiff, das es aus eigener Kraft in absehbarer Zeit niemals bauen würde. Russlands Werften wären in der Lage ein Schiff zu bauen das wie die Mistral aussieht, sie könnten aber niemals die Fähigkeiten des französischen Schiffes erreichen.

 

Die Mistral ist ein offensives Waffensystem

An Bord der Mistral lassen sich bis zu 30 Kampfhubschrauber stationieren, die Landungstruppen mit ihrer Feuerkraft unterstützen können. Über das Welldeck können schwere Kampfpanzer und Panzerfahrzeuge eines Panzerbataillons mit mehreren hundert Soldaten an Bord von Landungsbooten geladen werden, die dieses Gerät dann an einer Küste absetzen. Neben diesen beeindruckenden offensiven Fähigkeiten befindet sich eine 850 Quadratmeter große Kommandozentrale an Bord, von der aus Operationen weitab von landgebundenen Kommandostrukturen geführt werden können.

Russlands Fähigkeiten seine militärische Macht über die eigenen Grenzen hinaus tausende Seemeilen entfernt zu projizieren steigt mit dem Erwerb von Schiffen der Mistral-Klasse daher drastisch an.

 

Dass Frankreich an dem Verkauf eines offensiven Waffensystems an einen Aggressor aus wirtschaftlichen Gründen festhält, während Russland ein sich nach dem Westen, der EU und der NATO orientierendes Nachbarland überfällt, trifft daher Lenins Zitat auf den Punkt „Kapitalisten werden uns noch den Strick verkaufen, mit dem wir sie aufknüpfen.“

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