Facebook: Zensur und Beeinflussung

Gizmodo berichtet, dass Facebook konservative Nachrichten unterdrückt hat, die dem sozialen Netzwerk des dezidierten Linken Zuckerberg nicht gefallen haben. Nach seiner Einführung der Zensur in Deutschland, erlaubt sich das führende soziale Netzwerk erneut etwas, das man nur noch mit Übermut erklären kann. Offensichtlich ist den Leuten in Menlo Park ihre Reichweite zu Kopf gestiegen. Es wird jedoch ein Erwachen geben.

 

Facebook hat enorme Macht

Dass Facebook konservative Nachrichten an der Verbreitung hindert, ist ein krasser und kaum zu unterschätzender Eingriff. Ein wesentlicher Teil seiner Nutzer nutzt Facebook inzwischen hauptsächlich oder gar alleinig zur Informationsbeschaffung, so auch ich. Alle von mir regelmäßig gelesenen Zeitungen, ob deutschsprachige oder englischsprachige, habe ich auf Facebook abonniert. Zeitungen oder Zeitschriften denen ich Priorität zuweise, werden mir entweder zuerst im Newsfeed angezeigt oder bei ihren Veröffentlichungen bekomme ich Nachrichten. So konnte Facebook meine Nachrichtenaggregator im Internet werden, da ich von dort aus dann weiter auf die Suche gehe, statt täglich auf geschätzten 40 bis 50 Webseiten nachsehen zu müssen, was dort heute veröffentlicht wurde.

Indem nun aber Facebook manipulierend in den Newsstream eingreift, kann es meine Wahrnehmung, und natürlich die all seiner anderen Nutzer, ganz eklatant beeinflussen. Nehmen wir Donald Trump, den ich ausdrücklich nicht schätze. Facebook könnte nun alle Artikel die seine politischen Positionen für vernünftig erklären im Newsfeed seiner Nutzer untergehen lassen und ihre Sichtbarkeit einschränken. Den meisten Nutzern, auch den konservativen, würden entsprechend nur die Nachrichten angezeigt werden, die Trump als Idioten dastehen lassen.

Eine so einseitige Auswahl der Nachrichten, über die Wahl der Nutzer selbst, die ja Seiten „liken“ können, hinaus, würde deren Wahrnehmung von der Welt wesentlich ändern. Theoretisch könnte Facebook im November zur Wahl ausschließlich vorher als Clinton-Unterstützer aufgefallenen Nutzern die Aufforderung zur Wahl anzeigen, während bei allen Konservativen vorrangig Artikel auftauchen würden, die die Nichtwahl als gerechtfertigte Alternative erscheinen lassen. Herausfinden könnte dies niemand, was es angesichts obiger Nachrichten umso wahrscheinlicher macht.

 

Der Monopolist wird übermütig

Letztendlich kann man diese Entwicklung jedoch relativ entspannt sehen, ja sich praktisch schon fast darüber freuen. Was wir gerade erleben, ist ein Monopolist der übermütig wird. Auch wenn es andere soziale Netzwerke gibt, eine so umfassende Abdeckung aller Bedürfnisse an einem sozialen Netzwerk bietet den Älteren (die Jüngeren sind ja inzwischen auf Snapchat) nur Facebook. Vielleicht ist deshalb das soziale Netzwerk, zu dem ich gerade wegen seines Hochhaltens der Meinungsfreiheit von StudiVZ gewechselt war, nun einfach zu besoffen von seiner Reichweite.

Wie bei allen Monopolisten die ihre Macht ausnutzen und ihr Produkt entweder ungerechtfertigt verteuern oder verschlechtern, ist dies jedoch der Beginn ihres Niedergangs, sofern der Staat nicht helfend mit Gesetzen eingreift oder das Unternehmen sich wieder fängt und zu alter Größe zurückfindet. Schon seitdem auf den Druck der Bundesregierung die Zensur auf Facebook Einzug hielt, habe ich all meinen Videos immer einen Abschluss angehängt, der zum Abonnieren auch auf anderen Kanälen auffordert. In jedem Video wird seither dieser Footer angehängt:

Die Suche nach Alternativen hat bereits begonnen.

Die Suche nach Alternativen hat bereits begonnen.

Facebook hat mir mit seinem Verhalten gezeigt, dass es langsam aber sicher Zeit wird, sich Alternativen zu suchen. So reagiert der Markt in einem unregulierten Umfeld (Und soziale Netzwerke sind nur reguliert, wenn sie sich regulieren lassen wollen. Ansonsten sitzen sie in Panama oder auf Palau.), indem er bei einer Enttäuschung mit dem Monopolisten nach Alternativen sucht.

Hätte Facebook Mäßigung gekannt und seine Eingriffe nur Minimal gemacht, beispielsweise auf den deutschen Raum im Bezug auf die Zuwanderung beschränkt, so wäre der Leidensdruck nicht groß genug gewesen. Jetzt verärgert das Netzwerk jedoch die Hälfte seines amerikanischen Kundenstamms und zeigt allen Nutzern weltweit, dass Facebook bereit ist sie zu manipulieren! Das ist untragbar und das wird auch nicht auf Dauer ertragen werden.

Wenn Facebook jetzt nicht die Notbremse zieht, wird sein Verhalten die Entstehung einer Alternative nicht nur befördern, sondern erfordern. Das ist das Schöne an der ganzen Sache. Facebook kann sich mit so einem Verhalten selbst kaputt machen.

 

Aktuell gibt es noch keine echten Alternativen

Viele Deutsche wechseln seit der Einführung der Zensur zu VK, dem russischen Klon des Netzwerkes. Zwar sind es bislang auch massiv Rechtsaussen der Gesellschaft, die eine Sperrung wegen ihrer Äußerungen zu den Flüchtlingen befürchten oder bereits erlebt haben, doch das Netzwerk müsste ja nicht auf sie beschränkt sein. Allerdings hat der russische Geheimdienst die Kontrolle in dem Laden. Eine Backdoor des NSA zu meinem Rechner zu haben, halte ich allerdings für ausreichend. Eine des FSB brauche ich nicht noch zusätzlich.

Dazu folgt VK eben keiner Politik der Meinungsfreiheit, es führt nur noch keine deutsche Inhaltskontrolle durch. Wer auf VK auf russisch etwas gegen die Annexion der Krim sagt, wird nicht nur auf VK Probleme bekommen, sondern gegebenenfalls auch uniformierten Besuch, zumindest innerhalb Russlands.

Sollte eine Massenflucht Deutscher zu VK einsetzen, ist daher auch dort die Zensur nur noch eine Frage der Zeit. Dann allerdings nicht mehr durch politisch korrekte Linke, sondern durch den Geheimdienst einer Diktatur. Für mich als erklärten und ausdrücklichen Putin-Gegner wäre die Nutzungsphase daher nicht nur schnell vorbei. Mitunter würde ich im Falle einer Einreise gar von einer Verhaftung bedroht sein, wenn meine Aussagen auf einem russischen Netzwerk nach russischem Recht als auf russischem Boden verstanden werden. Russland selbst finde ich jedoch faszinierend und würde es gerne ausgiebig bereisen. Allerdings bitte nicht nur die Gefängnisse und Straflager.

Alle anderen Netzwerke hängen dagegen bislang im Nutzungsumfang weit hinterher oder sind noch quantitativ völlig unbedeutend. Aber keine Sorge: Wenn Facebook so weitermacht, wird sich das sehr schnell ändern. Jetzt werden Nutzer zumindest zunehmend ihre Follower dazu auffordern, sie auch auf anderen Kanälen zu abonnieren und ihrer Beschaffung von Nachrichten besser einem RSS-Reader anvertrauen, als Facebook. Dies bedeutet weniger Nutzer, weniger Onlinezeit und weniger Werbeeinnahmen für Facebook.

 

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