Donald Trumps Wahlsieg und seine politischen Auswirkungen

Trump ist gewählt. Der Selbstdarsteller wird tatsächlich zum 45. Präsidenten der USA. Nicht nur, dass der Aussenseiter es vollbracht hat, mit ihm wird auch erstmals ein Präsident ins Weiße Haus einziehen, der nie zuvor im Staat als Offizier, Abgeordneter oder Gouverneur gedient hat. Sein Verhalten während des Wahlkampfes lässt das Schlimmste erahnen, doch es bleibt durchaus auch Hoffnung. So oder so wird dem Mann eine gewaltige Herausforderung bevorstehen.

Wie wichtig die Wahl des US-Präsidenten für die Welt ist, zeigt die intensive Beschäftigung in aller Welt mit diesem Thema. Kulturelle Entwicklungen aus der Führungsnation des Westens schwappen auf Dauer immer auch in den Rest der Westlichen Welt über, die US-Außenpolitik bestimmt nach wie vor die Geschicke der Welt und die Gesundheit der Wirtschaft der USA ist weiterhin für den Welthandel entscheidend. Insofern muss Trump Amerika nicht „wieder groß machen“, es war es weiterhin, trotz aller Schwächen, und wird es auch trotz Trump noch eine Weile bleiben.

 

Der Wahlsieg ist ein einziger ausgestreckter Mittelfinger

Trump hat nicht nur die Wahl gewonnen, er hat auch den Rest geschlagen. Sein Sieg ist wie ein einziger ausgestreckter Mittelfinger allem und jedem gegenüber. Den Medien, die ihn fast vollständig abgelehnt haben und ihm wegen seiner Aussagen und Handlungen doch gratis Aufmerksamkeit in Milliardenhöhe geschenkt haben. Nie zuvor in der Geschichte haben sich weniger Zeitungen für den republikanischen Kandidaten ausgesprochen.

Den Umfrageinstituten, die wohl nur selten mehr daneben lagen. Die ihm keine Chance gaben und einen Erdrutschsieg von Hillary Clinton ankündigten. Dem politischen Establishment, das ihn belächelt und verachtet hat und ihm mehrheitlich Steine in den Weg gelegt hat.

Aber vor allem auch der politischen Korrektheit gegenüber. All jenen, die die Sprache mit harter Hand regulieren wollen und dem einfachen Mann den Mund verbieten wollen. Die ihm verbieten wollen Dinge zu sagen, ja zu denken, die er zu sehen und zu fühlen glaubt. Dass beispielsweise unter den illegal einwandernden Mexikanern auch eine Menge Krimineller sind.

Er grinst zurecht: Donald Trump wird der 45. US-Präsident sein: Photo: Gage Skidmore CC BY-SA 3.0 by Wikimedia Commons.

Er grinst zurecht: Donald Trump wird der 45. US-Präsident sein:
Photo: Gage Skidmore CC BY-SA 3.0 by Wikimedia Commons.

 

Die politische Korrektheit wird leiden – zum Glück!

Wenn man jemandem den Erfolg überhaupt zuschreiben kann, dann unter Garantie der politischen Korrektheit. Druck auf Menschen auszuüben funktioniert immer nur eine Zeit lang, nie auf Dauer. Auf Dauer führt es zu Reaktanz. Erst Recht in einem Volk, zu dessen Selbstverständnis es nach wie vor weitgehend gehört, dass man sich der Freiheit verpflichtet fühlt und dessen erster Zusatzartikel zur Verfassung die Meinungsfreiheit garantiert. All jenen, die „mansplaining, trigger warnings, manspreading, cultural appropriations, safe spaces, hate speech“ usw. eingeführt und zunehmend auch durchgesetzt haben, wurde hier von einem immer mehr unter Druck stehenden Volk der Mittelfinger gezeigt. „Leckt mich am Arsch, ich will mich nicht mehr bevormunden lassen.“

Die Dominanz der politischen Korrektheit wird leiden. Künftig wird (hoffentlich und vermutlich) islamischer Terrorismus wieder als genau das bezeichnet werden, nicht etwa als „anti-islamischer Terrorismus“, wie es tatsächlich teilweise bereits etabliert war. Künftig wird man in den USA wohl offen über die Kriminalität von Einwanderern sprechen können, und dass islamischer Terrorismus vielleicht doch ein klein wenig mit dem Islam zu tun haben könnte. Oder dass es eine auffallende Korrelation zwischen muslimischer Bevölkerung und islamischem Terrorismus gibt.

Diese Entwicklung wird auch in Europa zu spüren sein, wo eine solche kulturelle Wandlung ja bereits auf dem Wege war. Das kann gut sein, schließlich bin ich ein überzeugter Gegner der politischen Korrektheit, weil alleine Korrektheit zählen sollte.

Weniger gut ist, dass, wie auch bei der AfD zu beobachten, die Auflehnung gegen die Politische Korrektheit auch den Anstand zu sprengen droht. Wenn man sich einmal getraut hat die Ketten des Sprechverbotes zu durchbrechen, scheint ein nicht zu geringer Teil der Gegner der Politischen Korrektheit jedes Maß zu verlieren. Aus einer offenen Benennung der prozentualen Verteilung von Straftätern unter Ethnien wird dann sehr schnell eine rassistische Interpretation, die jeden Anstand und jede Höflichkeit hinter sich lässt. Als sich die einflussreiche National Review gegen Trump stellte, erlebten ihre Mitarbeiter genau diese Eskalation und den hemmungslosen Hass derer, die mit Trump jede Begrenzungen fallen sehen.

Während also eine massive Bekämpfung der Politischen Korrektheit gut ist, drohen hier erhebliche Risiken für das alltägliche Zusammenleben, wenn die Mehrheit der Vernünftigen den Radikalen keinen Einhalt gebietet.

 

Der Oberste Gerichtshof könnte gerettet sein

Wer die USA schätzt wie sie waren und wofür sie stehen, kann vermutlich und hoffentlich in einer Hinsicht aufatmen. Indem nun ein Republikaner das Weiße Haus bewohnen wird, werden die neuen Kandidaten für den Supreme Court of the United States Konservative sein, die – so die Hoffnung – die Verfassung wortgetreu auslegen werden und nicht als lebender Baum, was eine Interpretation der Verfassung nach dem Zeitgeist erfordert. Das bedeutet, dass die Meinungsfreiheit wohl nicht abgeschafft werden wird, wenn sie jemanden verletzt. Dass das Waffenrecht nicht hin zu einem Deutschen uminterpretiert wird, das die Selbstverteidigung praktisch verunmöglicht und Waffen zu reinen Sport- und Jagdgeräten umfunktioniert, die von der Munition getrennt weggesperrt und transportiert werden müssen. Diese Überlegung, diese hoffentlich berechtigte Hoffnung, war es auch, die den so massiv von Donald Trump persönlich angegriffenen Ted Cruz dazu bewegt hat, Trumps Kandidatur am Ende doch zu unterstützen. Ob es so kommen wird, ist noch ungewiss. Hier darf man aber zumindest Hoffnungen haben.

 

Innenpolitisch bieten sich Chancen

Donald Trump will das katastrophale Obamacare abschaffen. Allerdings will er es mit etwas Großartigem ersetzen. Was das sein wird, werden wir wohl sehen. Die republikanische Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus verspricht jedoch, allzu wahnsinnigen Plänen Einhalt zu gebieten. Trump will in die Infrastruktur investieren, was richtig sein dürfte. Verbunden mit massiven Steuersenkungen und einer Stärkung des Militärs kann dies jedoch nur eine weiter dramatisch steigende Verschuldung bedeuten. Diese wäre bei Hillary aber ebenfalls gestiegen und scheint ohnehin jeden point of no return überschritten zu haben. Solange Trump die für eine Weltwirtschaft katastrophale Abschreibung der eigenen Schulden nicht durchführt, die er im Wahlkampf einmal angedacht hat, wird der Ausweg nur in der Druckerpresse liegen.

Generell wird man aus liberaler Sicht jedoch nicht allzu viel erwarten dürfen. Wie auch bei Hillary Clinton wird bei Donald Trump die Verschuldung genauso steigen, wie die Staatsquote. Es wird keinen Schuldenabbau geben und Steuersenkungen werden nur mit höheren Schulden erkauft werden, was die Staatsfinanzierung nur in die nahe Zukunft verschiebt und gleichzeitig amerikanische Steuergelder in die Taschen ausländischer Gläubiger verschiebt.

 

Wird die muslimische Zuwanderung gestoppt?

Eine der interessantesten Fragen wird sein, ob Trump tatsächlich die muslimische Zuwanderung stoppt. Während die restliche Westliche Welt eine rasant steigende muslimische Bevölkerung hat, könnte hier in einer Nation der Trend umgekehrt werden, was vielleicht auf Europa überschwappen könnte. Dies kann gut sein, wenn es unter Einhaltung aller verfassungsrechtlichen Umstände erfolgt. Da Einwanderung ein Privileg und kein Recht ist, kann die Einwanderung in die Vereinigten Staaten selektiv erlaubt und verboten werden. Eigene Staatsbürger müssen hingegen gleich behandelt werden, wenn man einen Rechtsstaat hat und haben will.

Sofern Trump hier tatsächlich einen Zuwanderungsstopp durchsetzt, dürfte das mit einem höheren Assimilationsdruck den amerikanischen Muslimen gegenüber einher gehen. Wenn es dazu kommt, dann wird sich hier die muslimische Gesellschaft zwischen jenen, die sich zuerst als Amerikaner sehen und jenen, die sich zuerst als Muslime sehen, spalten. Dies könnte mit temporär mehr Terrorismus einher gehen, auf Dauer aber die Assimilierung beschleunigen. Das Risiko einer dauerhaften Ausgrenzung und Radikalisierung unter Teilen der amerikanischen Muslime ist jedoch enorm. Was wiederum eigentlich sehr für den Zuwanderungsstopp spricht.

 

Die Weltwirtschaft hat Angst

Wie sehr Trumps Wirtschaftspolitik international gesehen wird, zeigen die massiven Kurseinbrüche an den Börsen weltweit unmittelbar nach seiner Wahl. In der heutigen Zeit nach Protektionismus zu rufen, als Amerikaner und dann auch noch als republikanischer Präsidentschaftskandidat, ist sehr bedenklich. Auf Strafzölle chinesischen Waren gegenüber werden die Chinesen ihrerseits mit Zöllen reagieren, worunter beide Völker leiden werden, da sie auf einmal unnötigerweise mehr bezahlen müssen. Dies kann einerseits zwar etwas Industrie in die USA zurückholen, erzeugt in China aber gleichzeitig die notwendigen Anreize, noch mehr amerikanische Produkte vor Ort nachzubauen (ob mit Lizenz oder ohne). Gleichzeitig sinken die Absatzchancen im Ausland für amerikanische Unternehmen. Was das Abwandern der Fertigungskapazität aus den USA sogar noch beschleunigen könnte.

Zölle würgen nicht nur die Wirtschaft ab, sie sorgen auch für ineffizientere und damit international weniger wettbewerbsfähige Unternehmen. Wer durch große Schutzzölle vor der internationalen Konkurrenz geschützt ist, der muss weniger konkurrenzfähig sein. Seine Produkte werden damit teurer oder schlechter, weil der Kunde sie dank der Zölle ja ohnehin kaufen muss. Am Ende leiden also alle.

Gleichzeitig hat Donald Trump mit seinen Angriffen auf China aber durchaus Recht. Chinas Währungsmanipulationen sorgen für ein überproportionales Abwandern der Fertigung in das Reich der Mitte, das so preisgünstig an Technologien, Investitionen und Innovationen kommt. Gleichzeitig müssen alle ausländischen Firmen einen chinesischen Partner haben, um in China aktiv werden zu können, während chinesische Firmen in den USA, wie auch in Europa, keine Joint Ventures mit lokalen Partnern eingehen müssen. Diese Ungleichbehandlung führt zu massiven Diebstahl von Technologien durch China, während westliche Innovationen die chinesische Wirtschaft ohne eigene Anstrengung befeuern.

Während westliche Gesellschaften und ihre Unternehmen davon natürlich auch noch profitieren, zwingt Rotchina sie mit dieser Gesetzgebung jedoch dazu, die eigene wirtschaftliche Konkurrenz groß zu machen. Nicht umsonst wandern immer mehr deutsche Firmen inzwischen auch wieder enttäuscht oder ernüchtert aus China ab. Sollte es Trump tatsächlich gelingen, mit wirtschaftlichem und politischem Druck die Chinesen zu einer Anpassung ihrer Gesetze zu zwingen, dann hätte er tatsächlich einen großartigen Deal ausgehandelt.

Dass China mit dem durch seine aktuelle Wirtschaftspolitik erwirtschaftetem Geld die größten US-Auslandsschulden hält, ist nur ein Produkt der vergangenen Handelspolitik der westlichen Staaten. Dass diese Schulden so hoch sind, dass ihre, durch amerikanische Steuerzahler aufgebrachten, Zinsen inzwischen praktisch das Verteidigungsbudget des Landes finanzieren, ist ein bedrückender Nebeneffekt. De facto bezahlen also amerikanische Steuerzahler wegen der verfehlten China- und Haushaltspolitik der USA die Waffen, die in wenigen Jahren ihre Söhne töten könnten.

Siehe dazu auch Peter Navarros Death by China: Confronting the Dragon – A Global Call to Action

 

Die außenpolitischen Herausforderungen sind gigantisch

Ich bin kürzlich darauf eingegangen, dass sich die ganze Welt im Wandel befindet. Duterte hat die Philippinen de facto bereits aus dem Bündnis mit den USA in die Arme Chinas geführt, gegen den Willen des eigenen Volkes. In der arabischen Welt herrscht Chaos und der Arabische Frühling hat bis auf Tunesien nur Krieg, Islamisten und nun nicht mehr pro-Westliche Diktaturen gebracht. Der Islamische Staat mordet und der Iran und Russland treiben die einzige Supermacht der Welt vor sich her. Trumps Ankündigungen im Bezug auf seine Bündnispolitik lassen unterdessen alle Alarmglocken läuten.

 

Russland ist das größte Problem

Ich kenne kein Beispiel der Geschichte, wo ein objektiv so schwaches Land wie Russland eine so überlegene Nation wie die USA so lange und so ausdauernd vor sich hertreiben konnte. Dies war nur durch die gigantische Schwäche Obamas möglich, mit der ich mich hier auf dieser Seite umfassend in den letzten Jahren befasst habe.

Dieses vor-sich-Hertreiben hat jedoch ein gewaltiges Problem geschaffen. Russland ist innenpolitisch nur deshalb noch stabil,. weil trotz aller wirtschaftlichen Probleme im Land, die Führung ihrem Volk Stärke zu vermitteln in der Lage ist: „Wir mögen nichts mehr zu beißen haben, dafür sind wir aber wieder wer.“ soll die Überzeugung vieler Russen sein, so Landeskenner. Wie jede Diktatur unter wirtschaftlichem Druck hat auch Vladimir Putin die Probleme im eigenen Land nach außen gelenkt.

Deshalb, aber auch um seiner geopolitischen Vision eines durch Russland dominierten Raums von Lissabon bis Wladiwostok zu dienen, befindet sich Russland de facto sei Jahren im Krieg mit der NATO, der EU und den USA. Es mag kein Krieg mit konventionellen militärischen Mitteln sein, wohl aber mit allen denkbaren geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln. Nicht umsonst unterstützt Russland jede Partei, die verspricht EU und NATO zu schwächen. Völlig egal, ob sie links oder rechts ist. Nicht umsonst gab es die russischen Hackerangriffe auf die Demokraten, die über Wikileaks den Wahlkampf garantiert beeinflusst haben und das Wahlergebnis möglicherweise mitbestimmt haben. Womit Russland aktiv in den US-Wahlkampf zugunsten Trumps eingegriffen hat.

Russland kann Europa nur dominieren, wenn es dort keinen Konkurrenten mehr gibt. Damit müssen einerseits die USA aus Europa gedrängt werden, was mit einer Schwächung oder gar Auflösung der NATO gelingt und andererseits ein geeintes Europa verhindert werden, was mit EU-Austritten und einer Schwächung der EU erzielt wird.

Russlands Erfolge in Syrien sind in ihrer beabsichtigten Wirkung genau wie die in der Ukraine als ein Zeichen der Stärke des Landes nach innen gerichtet. Erzielbar waren diese Erfolge allerdings nur, weil Obama sie zuließ. Dies führt nun zu dem Problem, dass ein US-Präsident, der diese überproportionale Präsenz Russlands auf sein angemessenes Maß zurückdrängen will, Putin innenpolitisch gefährdet. Putin muss bei einem entsprechend selbstbewusst auftretenden US-Präsidenten entscheiden, ob er mit einer militärischen Eskalation droht oder seinem eigenen Volk gegenüber zeigt, dass er auf amerikanischen Druck hin nachgegeben hat. Da eine solche Kapitulation vor den USA seine Macht gefährden könnte, droht hier eine ernste Gefahr für den Frieden.

Zurückgedrängt werden muss Russlands Einfluss jedoch unbedingt. Sollte Russland auch unter dem kommenden Präsidenten seine geopolitischen Ambitionen weiter unbehelligt verfolgen können, würde dies der Welt signalisieren, dass jeder Diktator, und sei er noch so ekelhaft, von Russland unterstützt wird und vor den USA beschützt werden kann und wird, wenn er sich nur gegen die USA und an die Seite Russlands stellt. Da Russland selbst erst 2014 Grenzen militärisch erfolgreich verschieben konnte, könnte und wird eine solche geänderte Weltlage mit einem nicht mehr existierenden „US-Weltpolizisten“ neue Kriege auslösen. Territoriale Konflikte gibt es genug, wie auch Diktaturen die einen Feind im Ausland gut innenpolitisch gebrauchen können.

Die außenpolitisch erfahrene Hillary Clinton wäre vermutlich in der Lage gewesen, eine Lösung zu finden, die Russlands Einfluss sichtbar zurückdrängt, Putin aber das Gesicht wahren lässt. Ob Trump dies gelingt, ist keineswegs völlig sicher. Bei ihm gibt es realistischerweise drei Optionen:

Er könnte nun endlich anfangen auf gute Ratgeber zu hören und einen Weg finden, Russlands Einfluss auf seinen angebrachten Stand zurückzudrängen, während er Putin das Gesicht wahren lässt. Er könnte aber auch, sich selbst als starker Führer sehend, mit überproportionaler Härte vorgehen und Putin so in die Enge treiben. Dies könnte tatsächlich Krieg bedeuten. Als Dritte Option könnte er Russland allerdings auch einfach machen lassen, wie er es im Wahlkampf ja angedeutet hat. In diesem Fall würde die Welt zu einem noch unsichereren Ort gemacht werden.

 

Das US-Bündnissystem wird auf die Probe gestellt

Eine weitere sehr bedrohliche Situation ist die von Trump angedeutete Haltung zur NATO und zu seinen anderen Bündnissen. Ernsthaft in Frage zu stellen, ob die USA im Falle eines russischen Angriffs auf das Baltikum militärisch reagieren würden, lädt einen solchen Angriff geradezu ein. Wenn die Abschreckung nicht mehr funktioniert, wird Krieg wahrscheinlich. Im Falle eines solchen russischen Angriffs bei ausbleibender amerikanischer Hilfe wäre die NATO über Nacht Geschichte. Ohne US-Führung werden die West- und Südeuropäer keine Truppen zur Unterstützung der Balten in einen Krieg gegen Russland schicken. Dies wird den östlichen Bündnismitgliedern die Wertlosigkeit der NATO belegen, woraufhin diese sich nicht mehr auf sie verlassen, sondern aus reinen realpolitischen Überlegungen eine Übereinkunft mit Russland suchen müssen, um ihrerseits einen Angriff zu vermeiden. Russlands oben skizziertes Zerschlagen von NATO und dann auch der EU wäre damit praktisch vollbracht.

Allerdings hat Trump im Prinzip durchaus richtige Punkte angebracht. Mehrfach erwähnte er, dass Bündnispartner ihren Teil leisten müssten, um amerikanische Unterstützung zu bekommen. Dies sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Dass die USA, gemessen an der Wirtschaftsleistung, das Dreifache für ihre Verteidigung ausgeben wie Deutschland, ist in der Tat ein Witz. Wieso sollten amerikanische Steuerzahler mit ihrem Geld und ihren Söhnen unsere Verteidigung bezahlen, während wir das Geld lieber in einen Sozialstaat stecken? Dies mag im Kalten Krieg seine Berechtigung gehabt haben, um ein Abdriften der westlichen Bündnispartner in Richtung Sozialismus zu verhindern, doch diese Zeiten sollten vorbei sein. Tatsächlich können und dürfen die USA erwarten, dass wir unseren Teil leisten. Eine Leistung der vereinbarten 2 Prozent des BIP für die Verteidigung wäre das Mindeste.

Vielleicht schafft auch hier ein Präsident Trump einen positiven Wandel. Vielleicht ist der Druck durch ihn genau das Notwendige, das eine Steigerung der Verteidigungsetats bewirkt. Wieso sollten die USA auch nicht sagen: „Wenn Ihr nicht ab sofort jedes Jahr Euren Verteidigungshaushalt um 0,1 Prozent des BIP erhöht bis Ihr 2 Prozent erreicht habt, dann hofft nicht mehr auf uns.“ Gerecht und fair wäre es eigentlich.

Im Prinzip hat er auch damit Recht, dass es ein wenig seltsam scheint, dass die USA für Japan in einen Krieg um die Senkaku-Inseln gegen Rotchina ziehen sollen, während Japan seinerseits zu keinerlei militärischer Hilfe im Falle eines Angriffs auf die USA verpflichtet ist. Diese Disproportionalität der Bündnisse ist natürlich einerseits historisch begründet und andererseits der Preis eine Supermacht und Hegemon zu sein. Dennoch scheint ein vernünftiges Nachverhandeln hier keineswegs unverschämt zu sein.

Ob ein Präsident Donald Trump es hier jedoch schafft, Augenmaß und Verantwortungsgefühl zu behalten, ist ein Unsicherheitsfaktor.

 

Israel hat wieder einen Freund

Wenigstens eine Nation scheint aufatmen zu können. Israel wird unter Präsident Trump wieder einen verlässlichen Freund haben. Trumps Aussagen zu Israel waren im Wahlkampf eindeutig. Es wird spannend zu sehen, ob er sein Versprechen wahr macht und Jerusalem tatsächlich als Hauptstadt anerkennt und die amerikanische Botschaft dorthin verlegt.

 

Trump ist eine Gefahr, aber jetzt bleibt nur noch Hoffen

Es gab also mehr als genug Gründe, einen Präsidenten Trump abzulehnen. Die korrupte, notorisch lügende Kriminelle Hillary Clinton wäre außenpolitisch berechenbar und wohl vernünftig gewesen. Innenpolitisch hätte sie den Sozialismus vorangetrieben. Allerdings hätte man sich von ihr Unterstützung für Freihandel erwarten können. Sie wäre vermutlich eine schlechte Präsidentin geworden, allerdings innerhalb normaler Parameter.

Bei Trump scheint dagegen alles offen zu sein. Wie oben geschildert, kann man sich seine Aussagen durchaus schönreden. Man kann hoffen, dass er nun endlich anfängt, auf vernünftige Berater zu hören. Allerdings hatte man diese Hoffnung auch nach seinem Gewinn der Vorwahlen. Stattdessen blieb er charakterlich auch im Wahlkampf weitgehend der Gleiche, auch wenn er von Debatte zu Debatte mehr Selbstkontrolle gewann.

Vielleicht war vieles davon nur Show. Seine Präsentation war in der Tat beeindruckend und wird irgendwann einmal eine eigene Analyse erfordern. Dass er jedoch seine Gegner in den Vorwahlen dazu brachte um seine Anerkennung zu buhlen, war bemerkenswert. Dass er gestern bei seiner Siegesrede nicht nur annähernd staatsmännisch auftrat, sondern auch seine Rhetorik plötzlich nicht mehr der eines Viertklässlers entsprach, spricht für eine wohlüberlegte Strategie.

Allerdings war Trump eben zu keinem Zeitpunkt berechenbar und sein impulsives Verhalten war mehr als bedenklich. Er kann ein großer Präsident werden. Allerdings kann er genauso gut ein katastrophaler Präsident werden. Diese Spanne ist normalerweise in Demokratien deutlich kleiner. Da geht weder völlig großartig, noch völlig katastrophal. Jetzt bleibt allerdings nichts anderes mehr übrig, als zu hoffen. Noch besteht dazu wenigstens etwas Grund. Mit einer republikanischen Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus wird Trump gute Vorhaben im Sinne des republikanischen Establishments relativ leicht umsetzen können, während die meisten Abgeordneten Republikaner sind, aber keine Trump-Jünger. Allzu schlimmen Entgleisungen könnten sie also möglicherweise den Riegel vorschieben, während gutem und erfolgreichem Wirken wenig im Wege stehen wird.

Zumindest wird aber die Berichterstattung der deutschen Medien in den nächsten vier Jahren sehr unterhaltsam werden, wenn der Antiamerikanismus wieder völlig ungehemmt aus den Poren der allermeisten Journalisten quillt. Denn dass die deutschen Medien es den Amerikanern verzeihen werden, dass sie nicht auf sie gehört haben sondern tatsächlich einfach und ohne um Erlaubnis zu Fragen Trump gewählt haben, darf bezweifelt werden.

 

 

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Ein Gedanke zu „Donald Trumps Wahlsieg und seine politischen Auswirkungen

  • Tip: Ihre Artikel sollten Sie detaillierter verschlagworten! Hilft ungemein wenn Leser später mal Betreffendes suchen. Zu diesem Artikel gehört in jedem Fall noch: Republikaner, Russland, China, Japan, Weltwirtschaft, Clinton, NATO,…
    Z.B. „americanviewer“ verschlagwortet ziemlich gut.

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