Die Krux mit der Homo-Ehe

Der Supreme Court of the United States hat für die USA entschieden: Auch Homosexuelle müssen in jedem Bundesstaat der USA heiraten dürfen. Was zunächst ein gewaltiger Sieg für die Homosexuellen und ihre Unterstützer ist, schafft zugleich viele neue Fragen. Eine der Deutlichsten ist, ob der Supreme Court eine solche Entscheidung überhaupt hätte fällen dürfen, oder ob er sich anmaßt Gesetz zu schaffen, statt es auszulegen. Dies wäre fatal, weil es die Gewaltenteilung aufheben würde. Um das zu diskutieren fehlt mir jedoch die juristische Kompetenz, daher sollen sich andere damit beschäftigen.

 

Liebe ist Liebe

Zunächst einmal: Meinen herzlichen Glückwunsch meinen amerikanischen Freunden, zu denen auch (mindestens) ein Homosexueller gehört. Ich gönne es Euch von Herzen, wenn Ihr das bekommen habt, wonach Ihr so lange gestrebt habt. Liebe ist Liebe. Wenn sich zwei Erwachsene lieben, so steht es mir als Liberalem nicht zu, deren Beziehung zu bewerten, wenn sie denn freiwillig geschlossen wurde. Ich kann mit Homosexualität nichts anfangen, aber das kann ich mit der SPD auch nicht. Wenn das Fehlen einer gleichwertigen „Ehe“ Euch das Gefühl gab, Eure Liebe sei minderwertig (in den Augen Fremder), so könnt Ihr das nun wohl endlich hinter Euch lassen. Ich gönne es Euch. Wenn Ihr bislang Rechte vermisst habt, so könnt Ihr sie nun erhalten. Super!

 

Nein, Sodom und Gomorrha kommen nicht

Nur zur Klarstellung. Sodom und Gomorrha wird nicht zurückkehren, auch wenn konservative und reaktionäre Zeitgenossen dies nun ankündigen werden. Wenn zwei Erwachsene eine Schicksalsgemeinschaft für den Rest ihres Lebens (oder bis zur Scheidung) mit einander eingehen, dann ist es eher das Gegenteil. Sich zu verpflichten jemand anderen zu lieben und für ihn zu sorgen „bis das der Tod sie scheidet“ ist zutiefst konservativ, sonst nichts. Die Öffnung der Ehe für Gleichgeschlechtliche wird auch nicht den Pädophilen die Öffnung für die Ehe mit Kleinkindern und den Zoophilen die Ehe mit ihrem Haushund ermöglichen. Das ist blanker Unsinn.

 

Gleichwertigkeit in den Privilegien

Was eine „Ehe“ ist, unterliegt unterschiedlichsten Interpretationen. In Japan wird beispielsweise die Ehe deutlich anders verstanden. Ein Freund von mir nennt seine Partnerin von rund 20 Jahren seine „Frau“, verheiratet sind sie aber trotz gemeinsamen Kindes nicht. Wer also einen gemeinsamen Bund schließen will, der braucht keine staatliche Institution. Wenn ich mit meiner Traumfrau auf einer einsamen Insel strande, dann suche ich mir auch nicht erst eine Steintafel, um einen Vertrag aufzusetzen. Gleichfalls wird wohl nicht der erste Akt nach der Rettung nach 20 Jahren sein, dass ich den Kapitän des rettenden Schiffs um eine Eheschließung bitte.

Worum es also vor allem geht, ist wohl das Beseitigen eines Minderwertigkeitsgefühls und eine Gleichwertigkeit vor dem Recht. Gegen Minderwertigkeitsgefühle hilft vor allem das Selbstbewusstsein, gegen Ungleichheit vor dem Recht hilft nur das Recht. Von trivialen Dingen, wie Besuchsrechten auf der Intensivstation über Erbrecht und andere Dinge, ist die „Ehe“ eine wichtige Institution. Wer unverheiratet und ohne Testament stirbt, vererbt an seine Geschwister und Eltern, nicht aber an den homosexuellen Lebenspartner von 30 Jahren. Das ist absurd. All das wäre aber auch zivilrechtlich zu lösen, zumindest in einem Staat in dem volle Vertragsfreiheit gegeben wäre (ist sie hierzulande beim Erbe ja beispielsweise nicht).

Worum es ansonsten aber wohl vor allem auch geht, ist der Genuss der Privilegien. Dies ist vor allem finanzieller Natur. Steuerermäßigungen können Homosexuellen in den USA nun genauso zugute kommen, wie Rentenansprüche des Partners. Bei Krankenversicherungen kann man mitversichert werden, Kreditverträge sind zu günstigeren Konditionen zu bekommen. Super.

 

Vom Privileg zur Diskriminierung

All diese Dinge waren einmal Privilegien der „Ehe“. Also der klassischen Institution zwischen Mann und Frau, bei der (in der Regel) Kinder entstehen, was diese Ehe zur „Keimzelle der Gesellschaft“ macht. Wohlgemerkt, es waren „Privilegien“.

Dies ist in unserer Gesellschaft inzwischen ein geradezu omnipräsentes Missverständnis. Privilegien werden, auch qua Gesetz (AGG, z.B.), zunehmend mit Recht gleichgesetzt. War es früher einmal das Privileg eines Eigentümers einer Kneipe, sich seine Gäste auszusuchen, so hat nun jeder einen rechtlichen Anspruch darauf sie betreten zu dürfen, ansonsten darf er wegen Diskriminierung klagen.

Auf ein Recht hat jeder Anspruch, Privilegien werden zugebilligt. Einfachstes Beispiel ist das Persönliche. Eine Frau gewährt ihrem Partner das Privileg, mit ihr Sex zu haben. Daraus erschließt sich aber kein Recht für alle Männer, mit dieser Frau oder mit allen Frauen Sex haben zu dürfen. Eine selektive Zubilligung von Privilegien bedeutet somit keine Diskriminierung, mitnichten.

Da man die Ehe zwischen Mann und Frau als Grundlage der Gesellschaft verstanden hat, wurden ihr besondere Vergünstigungen und Vorteile beigemessen. Diese Vergünstigungen waren dabei zumindest ansatzweise zweckgebunden, was sich auch nicht dadurch ändert, dass immer mehr Ehen ungewollt oder gewollt keine Kinder mehr produzieren. Indem jetzt aber all diese Privilegien der Ehe auch auf homosexuelle Ehen ausgeweitet werden, kommt ein Problem auf. Das Privileg wird zur Diskriminierung.

 

Was ist mit dem Rest?

Denn was ist mit dem Rest? Fast niemand ist alleinstehend, weil er es möchte. Er ist alleinstehend, weil er keinen Partner finden kann. Indem die Privilegien der Ehe nun auch auf die Ehen ausgeweitet werden, die keine „Keimzelle der Gesellschaft“ mehr sind, werden nun praktisch Privilegien an all die verliehen, die in der Lage sind einen Partner zu finden. Der Rest ist nun nicht nur einsam, er wird von staatlicher Seite effektiv auch noch diskriminiert.

Polyamuröse Menschen, wie die Politikern Franziska Brychcy von der Linkspartei werden ebenfalls diskriminiert – oder aber zumindest einer ihrer beiden Partner, wenn sie sich für eine Hochzeit mit einem der beiden entscheidet.

Während man die Diskriminierung der Singles noch damit rechtfertigen könnte, dass sie eben keine „Schicksalsgemeinschaft“ eingegangen sind und daher keine besondere Begünstigung benötigten, immerhin müssen Ehepartner in Deutschland ja auch für den anderen statt Hartz IV aufkommen, trifft dieses Argument bei polyamurösen Menschen ebenfalls nicht mehr zu. Auch sie gehen Schicksalsgemeinschaften miteinander ein, da diese ja auch nicht auf zwei Personen beschränkt sein können. Ich habe drei Geschwister, womit meine Eltern eine Schicksalsgemeinschaft mit jeweils fünf anderen Menschen hatten.

 

Der Staat muss sich endlich raushalten!

Die einzige Lösung hierfür kann nur sein, dass der Staat sich endlich wieder aus der Ehe heraushält. Warum zum Teufel sollen all die Verpflichtungen und Rechte gegenüber dem Partner nicht auch zivilrechtlich in einem Vertrag geschlossen werden können? Warum muss der Staat es sich hier überhaupt erdreisten, die Liebe zwischen erwachsenen Menschen (und damit nicht Schutzbedürftigen, wie Kindern) zu regulieren und damit zu bewerten?

Lasst doch jeden jeden heiraten, mit zuvor schriftlich festgelegten Rechten und Pflichten. Lasst doch einfach die Vertragsfreiheit wieder einmal gelten. Wenn sich zwei Menschen lieben, wieso braucht es dann eine staatliche Erlaubnis, die erteilt wird? Wenn sich drei lieben, wieso verweigert der Staat sie dann?

Für einen Erzkatholiken ist der Gang zum Standesamt auch jetzt nichts als eine leidige Pflicht, die wahre Ehe kommt erst beim Gang vor den Traualtar und der Segnung der Ringe durch den Pfarrer. Warum sollten diese Institutionen diese Rechte nicht wieder zurückerhalten? Wieso sollen homosexuelle und kinderlose Ehen gegenüber Unverheirateten und Singles steuerlich begünstigt werden?

Der Staat sollte sich dringend aus dem Ehegeschäft zurückziehen. Wer heiraten möchte, der kann es beim Notar tun, beim Pfarrer, Imam oder Rabbi. Solange es Erwachsene im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte und freiwillig tun, geht es doch außer den Betroffenen niemanden an. Wir mögen es als Einzelne missbilligen, aber mit  welchem Recht wollen wir, über die von uns legitimierte Institution des Staates, die Liebe von anderen per Zwang verweigern?

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