Der wahre Skandal am 10 Stunden in New York Video

In verschiedenen Medien geht gerade ein Video herum, in dem eine Frau „sexuell belästigt“ wird oder einen „Spießrutenlauf“ durchführt. Was zeigt er aber tatsächlich? Eine Frau, die zehn Stunden durch New York läuft und dabei 108 Mal angesprochen wird. Sie bekommt einen guten Tag gewünscht und man sagt ihr, wie gut sie aussieht. Mal ist es freundlich, mal 08/15, mal ein wenig anzüglich, mal plump.

Erstaunlich unspektakulär

Dass das Video überhaupt solch eine Aufmerksamkeit findet, sagt eine Menge über das Publikum aus. Anders als bei ähnlichen Videos aus Ägypten wird der Frau hier nicht praktisch die Kleidung vom Leib gerissen. Männer sprechen sie lediglich an. Gut, einer kommt als „Creep“ rüber, indem er (angeblich) vier Minuten lang schweigend neben der Frau hergeht. Dass aber hier nicht der Moment gezeigt wird in dem sein Gehen neben der Frau endet, spricht vermutlich für sich. Vermutlich blieb er einfach stehen oder drehte an einer Kreuzung ab. So oder so dürfte es wohl äußerst unspektakulär gewesen sein.
Man könnte auch sagen, das Ganze Video ist geradezu „spektakulär unspektakulär„!

Skandalvideo

„Wie geht es, Schönheit? Habe einen schönen Tag!“
Sexismus und Belästigung im 21. Jahrhundert!

Die Aufmerksamkeit zeigt eine sich verändernde Gesellschaft.

Dass also solch ein harmloses Video überhaupt mehr als 500 Views bekommt, ist das wahrhaft Besondere. Erklärbar ist es wohl nur noch mit einer Allianz aus Berufsfeministen und Journalisten und ihrer manischen Suche nach Beweisen für den bösen Mann, der immer und überall lauert. Wäre das Video vom Tahir-Platz in Kairo, wo eine unverschleierte Frauen auf einen „Ort des Grauens“ treffen kann, könnte man die Aufregung verstehen. So aber wird die männliche Suche nach einer Partnerin dramatisiert, als ob dieser völlig natürliche Vorgang etwas Böses sei. Am Ende wird die Frau sogar noch in Bars und Nachtclubs angesprochen? Man stelle sich das nur einmal vor. Schrecklich, nicht wahr?

Wie soll das Kennenlernen denn funktionieren?

Wie sollen Männer Frauen denn Ansprechen? Unsere Geschlechterrollen werden nach wie vor in der überwältigenden Mehrheit eindeutig so verstanden, dass von den Männern erwartet wird die Initiative zu ergreifen. Tun sie es nun aber, wird daraus ein „Skandalvideo“ mit einem „Spießrutenlauf“ voller „sexueller Belästigungen„. Frauen werden anführen, dass es belästigend sei, aber wenn der „Traumprinz“ sie anspricht, ist es dies sicherlich plötzlich nicht mehr. Daher würde ich vorschlagen, bis zur Einführung von Bewerbungsformularen mit Lichtbild und Zeugnissen vorheriger Freundinnen nach einer DIN-Nummer, einfach mit dem Umstand zu leben, dass Männer nun einmal ansprechen müssen, wenn überhaupt etwas Zwischenmenschliches passieren soll.
Die Krux der Frauen mag dabei sein, dass nicht jeder Mann besonders eloquent anspricht und nicht jeder ein optischer Leckerbissen ist. Die Krux der Männer wird sein, wie in dem Video ersichtlich, selbst bei Komplimenten komplett ignoriert zu werden und somit unhöfliche, ja herabwürdigende, Körbe zu bekommen.

Vielleicht sollten wir einfach mal wieder auf den Boden kommen und anerkennen, dass die Fortpflanzung nur durch Anbahnung zwischenmenschlicher Beziehungen zwischen Mann und Frau funktioniert, und dass eine Seite dabei die Initiative ergreifen muss. Dass diese Initiative nicht immer gewürdigt wird ist genauso Teil des Spiels, wie dass einige auf der empfangenden Seite mit gewaltiger Unhöflichkeit reagieren, oder dass einige der Aktiven irgendwann zu einem Gießkannenprinzip übergehen und einfach zu jeder attraktiven Frau „Hey Baby“ sagen.
Ein Skandal ist das Video also allerhöchstens in der Hinsicht, dass einer daraus konstruiert wird, wenn eine Frau im Schnitt gerade einmal alle sechs Minuten in einer der größten Städte der Welt angesprochen wird. „How are you?“ hört man selbst als Mann alle paar Minuten in New York. Dass die Frau bei zehn Stunden in einer Stadt voller furchteinflößender Gestalten (man fahre nur einmal eine Weile U-Bahn oder begebe sich in Teile von Queens oder Harlem) tatsächlich nur so unspektakuläres Ansprechen aufnehmen konnte, ist mindestens so bemerkenswert, wie dass das Video dennoch Aufmerksamkeit findet.

Wohlgemerkt: Die Frau wurde angesprochen, nicht etwa betatscht. Soll es tatsächlich inzwischen so weit sein, dass ein „Hallo“ und ein „Wie geht’s?“ auf öffentlichen Straßen einer Großstadt eine Belästigung sind?
Dies zu dramatisieren führt zu nichts anderem als zu einer Übersättigung des „Sexismus“-Begriffs. Wenn schlechte Anmache schon Sexismus ist, wie ernst soll man dann noch die Vorwürfe diesbezüglich nehmen? Dies wiederum stumpft ab und nimmt tatsächlichen sexistischen Skandalen die Aufmerksamkeit und das Mitgefühl, das sie verdient hätten.

Dass ein paar Idioten das Ganze natürlich gleich wieder zum Anlass nehmen um Vergewaltigungen oder die Tötung der Frau anzukündigen, ändert daran nichts.

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6 Gedanken zu „Der wahre Skandal am 10 Stunden in New York Video

  • Zum Glück bin ich aufgrund meines Alters nicht mehr auf der Suche nach einer Frau. Und schon lange habe ich es mir angewöhnt, großzügig und rechtzeitig die Straßenseite zu wechseln, wenn mir eine Frau entgegenkommt. So gerate ich gar nicht erst in den Verdacht, die Frau irgendwie sexistisch zu belästigen. Heute kann ja schon ein falscher Blick genügen und die Frauen haben nunmal die Deutungshoheit. Wäre es statt Brüderle ein muskelbebackter Schönling so um die 25 Jahre gewesen, wäre die Anmache sicher nicht als sexuelle Belästigung gedeutet worden, sondern wäre wohl höchst willkommen gewesen. Als unattraktiver alter Sack wechselt man aber besser die Straßenseite oder sieht bewußt weg, damit die Frauen nicht schon durch den Anblick belästigt werden.

  • Pingback: Anonymous
  • Wieviele dieser „Belästiger“ hätten wohl diese Frau gar nicht bemerkt oder sie nicht angesprochen, wenn sie nicht die Kamera bemerkt hätten, von der die Frau gefilmt wurde ?
    Wieviele haben wohl gedacht, dass irgendeine Reaktion auf diese Frau vom Filmteam und/ oder ihr gewünscht wurde ?
    Es war doch offensichtlich, dass hier keine „irgendeine“ Frau auf irgeneinem Weg irgenwohin war !

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