Chinas Chancen aus der Krim-Krise

China ist zu guten Teilen ein Gewinner der Krise auf der Krim und in der Ukraine. Es erhält seine guten Beziehungen zu Russland, während sich sowohl wirtschaftliche wie auch diplomatische Optionen auftun.

Rotchina

Neue wirtschaftliche Optionen für die VR

Nachdem Russland mit militärischer Gewalt gegen die Ukraine vorgegangen ist, wird der Westen reagieren. In Europa wurde zu deutlich klar, dass eine Abhängigkeit von russischen Rohstoffen ein Risiko ist. Nicht nur, weil Russland schon mehrfach belegt hat, dass es bereit ist seine Exporte als Waffe zu nutzen, sondern auch, weil die für den Kauf russischer Rohstoffe verwendeten Geldmittel letztendlich auch weitere Aggressionen des Kreml finanzieren könnten.

Ob die benötigte Energie künftig über neue Kernkraftwerke, regenerative Energien oder Fracking gewonnen wird, ein Absinken russischer Exporte nach Europa in dem nächsten Jahrzehnt dürfte fast sicher sein. Dies wird den russischen Staatshaushalt enorm belasten und ihn zwingen, überhastet und aus einer Notlage heraus nach neuen Käufern seiner Rohstoffe zu suchen. Hier liegt Chinas Chance, da es nicht nur eine lange Grenze mit Russland teilt, sondern auch als potentieller Käufer in Frage kommt. Ein Russland auf der dringenden Suche nach neuen Käufern wird entsprechend verhandlungsbereit bei neuen Verträgen sein müssen, was die chinesischen Energiepreise senken kann.

Diplomatische Optionen in Zentralasien

Russlands Aggression hat auch über Osteuropa hinaus Auswirkungen. So wird ein NATO-Beitritt nicht nur für Finnland und Schweden zunehmend eine Option, auch die anderen russischen Anreiner sind nun gezwungen ihre Sicherheits- und Außenpolitik zu überdenken. Mit einem Russland als Nachbarn, das zum Einsatz seines Militärs in fremden Ländern zur Gebietserweiterung bereit ist, muss für eine Sicherstellung der eigenen Souveränität und territorialen Integrität auch über die nächsten Jahre hinaus gesorgt werden. Optionen gibt es dafür eigentlich nur zwei: Entweder eine Anlehnung an Russland, die sicherstellt dass der russische Bär seinen Hunger ggf. woanders stillt, da er ansonsten einen treuen Verbündeten verlieren würde, oder durch Abschreckung.

Abschreckung wird dabei nicht nur militärisch erfolgen, sondern vor allem diplomatisch. Während ein militärisches Aufrüsten der zentralasiatischen Staaten auch Absatzmärkte für chinesische Waffen eröffnen dürfte, sind vor allem die diplomatischen Optionen interessant. Zwischen Russland und Rotchina liegend, haben die zentralasiatischen Staaten auf Dauer kaum eine Wahl, als eine Entscheidung für ein Bündnis mit einer potenten Weltmacht. Eine Neutralität ist sinnlos, vor allem da sie in absehbarer Zeit nicht durch militärische Macht abgesichert werden kann.

China kann dies den Weg zu politischem Einfluss in Richtung der asiatischen ehemaligen Sowjetrepubliken eröffnen, da diese bei zunehmend schwächer werdenden Vereinigten Staaten nur die Wahl zwischen Russland und China bleibt.

Asia-Pivot der USA in Gefahr

Neben der Möglichkeit seinen Einfluss auf Kosten Russlands in Zentralasien auszubauen, dürfte die Krim-Krise gerade auch im Bezug auf die USA große Vorteile für China haben. So lange die europäischen NATO-Staaten, abgesehen von Polen, nicht plötzlich anfangen ihre verteidigungspolitischen Verantwortung innerhalb des Bündnisses nachzukommen, was wegen der Schuldenkrise und viel zu weit aufgeblasenen Sozialstaaten nicht möglich sein wird, wird die USA künftig gezwungen sein wieder mehr militärische Mittel nach Europa zu schicken. Dies wird den Asia-Pivot der US-Regierung schwächen, da auch sie wegen ihrer Schuldenkrise mit ihren Mitteln haushalten muss. Das wird der VR China neue Optionen in Hinsicht auf Taiwan und auf seine territorialen Ansprüche eröffnen und die Risiken einer amerikanischen Einmischung verringern.

Medwedew-Doktrin als einiger Risikofaktor

Die unter dem Präsidenten Medwedew formulierte Medwedew-Doktrin erlaubt den russischen Streitkräften das Intervenieren auf fremdem Staatsgebiet, wenn dort russische Staatsbürger bedroht sind. Dies könnte chinesische Optionen in Zentralasien einschränken, zumal bis dato keine chinesische Bündnispolitik mit den Staaten zu erwarten ist. Ohne ausdrücklichen militärischen Schutz Chinas werden somit auch die an die Volksrepublik angelehnten Staaten weiterhin auf Russlands Befindlichkeiten Rücksicht nehmen müssen. Sollte sich Rotchina jedoch zu einer solchen militärischen Bündnispolitik entschließen, dürfte der russische Expansionsdrang gestoppt sein. Die russische Mittelmacht wird sich auf keine militärischen Abenteuer mit China einlassen.

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