Buchrezension zu „Gott Bewahre“ von John Niven

John Niven ist Bestsellerautor. Einer der ganz erfolgreichen und ganz großen. Entsprechend gespannt war ich auf das Buch, von dem ein sehr geschätzter Bekannter meinte: „Das ist lustig.“ Nach Lachen war mir allerdings sehr schnell nicht mehr zumute.

 

Logikfehler über Logikfehler

Im Himmel vergeht die Zeit langsamer. Ein Tag dort entspricht 56 Jahren auf der Erde. So erklärt Niven, dass Gott eine Woche Angeln war und sich die Welt seither aus der Renaissance bis 2011 entwickelt hat. Dumm nur, dass Jesus mit Jimi Hendrix befreundet ist, mit dem er öfter eine Jam-Session abhält und Gras raucht. Wie soll das gehen, wenn der erst wenige Stunden da ist?

Nachdem die Welt sich richtig mies entwickelt hat, entscheidet Gott sich nach seiner Rückkehr dazu, seinen Sohn Jesus erneut auf die Erde zu schicken. Er teilt es ihm am nächsten morgen mit, doch überraschenderweise kommt der Junge keineswegs im Jahr 2067 auf der Erde an, sondern in der Gegenwart. Wie geht das?

Kindersprache mit Fäkalien beschmiert

Nivens Buch zeichnet sich durch vieles aus, das ich persönlich nicht gerade als Prädikat sehen würde. Über seine politischen Ansichten kann ich noch ein Stück hinweg sehen. Dass er Guantanamo in einem Satz mit Auschwitz nennt, obwohl dort kein einziger Mensch ermordet wurde, geschenkt. Dass er Guantanamo im Satz noch vor Kambodscha nennt, das ist eben künstlerische Freiheit. Was mich aber unheimlich nervt ist, dass seine Sätze sich anhören, als ob ein Zwölfjähriger sie formuliert hat. Vielleicht ist das schlicht das Geheimnis seines Erfolgs, immerhin gibt es weit mehr Menschen die einen Text für Zwölfjährige verstehen, als solche die einen mit aufwendigen Formulierungen gespickten und mit Fremdwörtern angereicherten Text verarbeiten können. Für mich persönlich ist es allerdings, wie auch schon „Illuminati“ des geradezu pervers erfolgreichen Dan Brown, eine intellektuelle Beleidigung.

In dem von mir geschriebenen verwende ich durchaus auch einmal einen Fäkalausdruck. Im Schützengraben und unter Beschuss unterhält man sich eher selten so, wie man es beim Sonntagsfrühstück tun würde. Charaktere aus der Gosse oder voller Empotionen nutzen mitunter genauso Kraftausdrücke wie jemand der bewusst provozieren will. Niven hingegen scheint eine geheime Wette gehabt zu haben, wie oft er in einem Buch „Fuck“ und Konsorten unterbringen kann, während es noch abgedruckt wird. Das zumindest lässt sich anhand der Häufigkeit von Fäkalausdrücken in der deutschen Übersetzung erahnen.

Natürlich muss eine solche Geschichte dann auch durch Genitalhumor angereichert werden. Der Gründer des KKK wird durch Schwarze mit riesigen Penissen vergewaltigt, die von Satan nach der Größe ihres Gemächts befragt werden. Gott fragt einen Angestellten im himmlischen Büro wie es steht, woraufhin dieser zwischen seine Beine greift und „alles steif“ oder etwas Ähnliches sagt.

 

Das wird zu einem Bestseller weltweit?

Ich vermute, mir wird die typisch deutsche Arroganz des „Bildungsbürgertums“inne. Vielleicht ist es so zu verstehen, dass ich angesichts solcher Zeilen angewidert bin. Intellektuell, sprachlich, stilistisch… Aber wie zum Teufel kann ein Buch mit solch einer Qualität ein Bestseller weltweit werden?

Ausschnitt aus John Niven: Gott Bewahre.

Ausschnitt aus John Niven: Gott Bewahre.

Ich will gar nicht behaupten, dass ich solch eine Story schreiben könnte. Würde ich es können und wie Dan Brown mit zwei Büchern 300 Millionen Dollar verdienen können, würde ich es wohl doch ziemlich sicher machen. Dennoch möchte ich aber sagen: Selbst wenn ich es könnte, würde ich gar nicht so schreiben wollen!

 

Schwerer Anfang mit erträglichem Ende

Die bisherige Kritik konzentriert sich auf den ersten Teil, wenn das Buch im Himmel spielt. Im zweiten Teil wechselt die Geschichte zu dem 31 jährigen Jesus, der in New York City lebt. Ab diesem Zeitpunkt gewinnt die Geschichte auch für mich an Geschwindigkeit, sodass ich durchaus zufrieden bin, durchgehalten zu haben. Ab jetzt wird das sprachliche Niveau zwar auch nicht höher, die Geschichte ist jedoch zunehmend spannend und auch lustig. So ist es wohl kein Zufall, dass ich den Rest des Buches in weniger als zwei Tagen durchgelesen hatte.

 

Lockere Geschichte ohne großen Anspruch, die eine politische Mission hat

Im Ganzen kann ich nun durchaus verstehen, wieso das Buch ein Bestseller geworden ist. Das Buch hat eine vernünftige Geschichte, winzige Kapitel konzentrieren sich wunderbar auf das Prinzip des Konflikts und kommen meist in zwei bis drei Seiten auf den Punkt. Das Ganze ist in einfacher Sprache geschrieben, sodass das Buch wirklich durch jeden gelesen werden kann. Es ist etwas Neues und etwas Lustiges, was ein großes Publikum nicht zuletzt durch die geringe sprachliche Zugangsbeschränkung erreichen kann.

Mich persönlich, aber das ist eben persönlich, hat neben der einfachen Sprache auch die offensichtliche politische Mission von Niven gestört. Offensichtlich hält er die US-Republikaner für die Ausgeburt der Hölle, sodass er massiv gegen sie schießt, woimmer er kann. In diesem Licht wirkt der erste Teil des Buches, der im Himmel spielt, auch mehr wie eine wirklich große Provokation gegenüber konservativen Christen. Ein in Worte gefasster ausgestreckter Mittelfinger, sozusagen. Dies stört aber nicht jeden. Genauso, wie die Sprache nicht jeden stört, schließlich mag auch nicht jeder Shakespeare oder Opern, wie ich.

Wer also nichts gegen einfache Sprache, gegen Fäkal- und Genitalhumor und nichts gegen Bashing der US-Republikaner hat, der wird in „Gott Bewahre“ ein flüssig zu lesendes kurzweiliges Buch finden.

 

Fazit: Eingeschränkt empfehlenswert

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