Buchrezension: Deutschland, deine Götter

Klar, die Platzhirsche der Religionen in Deutschland kennt jeder. Katholiken, Evangelische, Islam und Juden. Dabei hat Deutschland doch so viel mehr an Religionen zu bieten. Dies muss sich Gideon Böss in seinem zweiten Buch nach dem Roman Die Nachhaltigen gedacht haben. Herausgekommen ist so etwas wie ein Reiseführer, auch wenn es dem nicht ganz entspricht.

Gideon spricht mit Vertretern der jeweiligen Religion und zeigt die interessanteren Teile, sowie Beobachtungen, in seinem Buch. Dazu kommen weitere Erklärungen aus den Hintergründen der Religion, die er sich mit einem Studium der jeweiligen religiösen Grundlagen angeeignet hat. Hinzu kommt, dass der Autor der Komödie Die Nachhaltigen auch hier vereinzelt seinen Humor aufblitzen lässt. Doch auch wenn man von einem Atheisten ein Religions-Bashing erwarten würde, ist das vollendete Werk doch anders.

Böss

Ja, es ist ein Reiseführer zu Deutschlands Religionen. Zugleich jedoch einer, bei dem der Autor nicht von der Stadt bezahlt wurde um ihre zusammengekratzten Sehenswürdigkeiten möglichst bombastisch darzustellen. Vielmehr ist der Autor freundlich und offen, nicht ohne aber kritisch zu bleiben. Durch seine Vorbereitung auf die jeweilige Religion boten sich ihm dazu einige sehr gute Ansatzpunkte für wirklich gute Unterhaltungen.

Wenn er beispielsweise mit einem katholischen Priester darüber redet, dass nach der katholischen Lehre der Körper sich wieder mit der Seele im Himmel verbindet. Denn: Welches Alter hat der Körper dann? Keiner will ja wohl in alle Ewigkeit als an Arthritis erkrankter 78 jähriger verbringen, oder? Der Priester meint, es werde wohl im Alter von 33 Jahren sein, weil ja Jesus in diesem Alter gestorben sei. Doch was ist mit den Kindern? Mit jenen, die als Kleinkind gestorben sind? Der Priester ist hier so ehrlich zuzugeben, dass er es nicht so recht weiß, woraufhin beide darüber diskutieren, ob es vielleicht einfach der Körper eines Kleinkindes sei, den man im Himmel erhalte. Mir erstellte sich das das Bild einer auf jeder Wolke herumkrabbelnden Horde Einjähriger, die sich brabbelnd die Spielklötze gegen die Köpfe hauen.

Doch neben dem Humor bleibt es eben auch ernst. Man lernt tatsächlich etwas dazu, so war mir beispielsweise neu, dass sich die Mehrheit der Alewiten in Deutschland gar nicht als Muslime sehen. Auch habe ich von Religionen gehört, von deren Existenz ich nicht einmal wusste.

Am Ende hat man in dem Buch einen kurzweiligen Reiseführer zu Deutschlands Götterwelt, angereichert mit einer Prise echter Informationen, der richtigen Menge Humor und einer freundlichen aber kritischen Kommentierung durch den Autor.

Fazit: Absolut lesenswert!

Das Buch können Sie hier bestellen: Deutschland, deine Götter: Eine Reise zu Kirchen, Tempeln, Hexenhäusern

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