Björn Höckes gekonnte Provokation

Lassen Sie mich die Gelegenheit nutzen, dass ich ein Bekenntnis ablege. Ich bin aus einer tiefen Liebe zu meinem Land in die Politik gegangen. Und aus einer großen Sorge um die Zukunft dieses Landes. Und da habe ich mir gedacht, ich bringe mal das zentrale Symbol unseres Landes mit und bringe etwas Farbe in diesen historischen Ort und das werde ich jetzt auch tun.

sprach Björn Höcke am Sonntag, den 18.10.2015, bei Günther Jauch und holte eine kleine Deutschlandfahne aus dem Jackett.

Die Provokation wird nutzen

Die Bild titelte sogleich „Irrer AfD-Politiker provoziert mit Deutschland-Fahne

Anders als viele meiner Kontakte und viele Medien glaube ich dabei jedoch nicht, dass Höckes Auftritt gestern „die AfD 3 Prozent kosten wird“, wie ich es an einer Stelle las.

Im Gegenteil. Eine solch geschliffene Mischung aus Provokation, Polemik, Populismus und Demagogie hat es Zeit meines bewussten Erlebens der deutschen Politik vor dem Fernseher von rechts außen nicht in Deutschland gegeben. Zumindest habe ich nie jemanden erlebt, der das so auch nur im Ansatz gekonnt hätte. Höcke scheint gewillt Strache von der österreichischen FPÖ nachzuahmen und es könnte ihm tatsächlich gelingen. Für mich sind er und die AfD zwar nicht wählbar, das ändert daran jedoch nichts.

Was meine werten Leser dabei auch nicht ignorieren dürfen ist, dass:

  1. Ein gewaltiges Loch im politischen Spektrum klafft.
  2. Die Ängste bezüglich der Zuwanderung von allen anderen Parteien völlig unzureichend adressiert werden.
  3. Nicht nur die Mehrzahl der Wähler gar nicht politisch interessiert, geschweige denn gebildet ist, sondern dass die Hälfte der Wähler auch dümmer als der Durchschnitt ist.

Das ergibt theoretisch ein großes Potential für eine Partei, die es schafft sich zum alleinigen Vertreter derer zu ernennen, die mit der aktuellen Flüchtlingspolitik nicht einverstanden sind. Wenn sie es schafft, dass sie entweder nicht ins nazistische abgleitet oder aber ihrer Wählerschaft das egal ist. Sei es wegen inflationärer Erklärung zu Rechtsextremen in der Vergangenheit, sei es weil sie glauben dass das eben der Preis sei, um seine Positionen vertreten zu bekommen.

Ob dieser Grund für die Wahl der AfD und Höcke jedoch gut für die Demokratie ist, steht auf einem völlig anderen Blatt. Wenn die Menschen bei einer so fundamental wichtigen Frage glauben keine andere Wahl als einen Höcke zu haben, dann kann das nicht gut sein.

Björn Höcke zieht die Deutschlandfahne aus dem Jackett.

Björn Höcke zieht die Deutschlandfahne aus dem Jackett.

Die meisterhafte Fahnen-Showeinlage

Allein die wirklich überaus gekonnte Symbolik, dass er eine Deutschlandfahne theatralisch herausholt und sie dann neben sich legt, sodass er auf den Kameras der einzige ist, der eine Nationalfahne hat.

Bildlich gesprochen also, dass er der Einzige ist, der für Deutschland steht. Daran ändert auch nichts, dass er sie falsch herum aufgehängt hat. (Sie müsste für die Kamera von links mit schwarz beginnen, als Historiker hat er Heraldik gehabt und müsste dies wissen.) Er hätte natürlich auch einen Deutschland-Pin, statt dem AfD-Pin, tragen können. Dann hätte er aber diesen Showeffekt verspielt.

Denn natürlich war es eine Provokation. Und zwar eine ganz bewusste. Und natürlich hat es die Mehrheit der Zuseher wohl eher abgestoßen denn angezogen. Aber Höcke schielt ja nicht ernsthaft nach 50+x Prozent.

Wenn nur 20 Prozent der Zuseher denken „Na endlich mal einer“ oder „Gut, dass der sich das traut“, hat er schon gewonnen. Und 20 Prozent haben das allemal so gedacht.

Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass die überwältigende Mehrheit der Wähler nicht aus rationalen Gründen nach einer fundierten Informationsbeschaffung wählt, sondern allein aus dem Bauch heraus. Und den weiß er anzusprechen!

 

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