AfD: Partei der Spinner

Hans-Olaf Henkel wird in der ZEIT zitiert: „Da sitzt man auf einem Parteitag und hört irgendwelche wilden Verschwörungstheorien. Ich werde dann ganz klein und schäme mich in Grund und Boden.“  Tatsächlich ist die AfD eine Partei der Spinner geworden. Keine Verschwörungstheorie ist so irre, als dass sie nicht ihre Anhänger in der Partei hätte.

 

Ein Staubsauger für Aluhüte

Keine Frage, jede Partei hat ihren Anteil Spinner. Nicht nur an Radikalen, sondern auch unter denen, die seltsame Dinge glauben. Leute, denen kaum eine Verschwörungstheorie zu schräg ist. Doch die AfD hält ihr wohl unzweifelhaft den Rekord. Dabei ist dies nicht etwa so, weil der Autor die Partei diffamieren wollte, sondern weil es eine zwangsläufige Folge der Entwicklung der Partei ist.

Die AfD trat an, den Menschen Gehör und eine Stimme zu geben, die sich von den bisherigen Parteien nicht repräsentiert fühlten. Dazu versuchte Bernd Lucke von Anfang an, die AfD als eine „Partei neuen Typs“ zu verkaufen, die keine Ideologie als Grundlage habe.  Damit dürften die ersten Wahlerfolge zwar wohl mit ermöglicht worden sein, es wurden jedoch auch Geister gerufen, die man nun möglicherweise nicht mehr loswird. Denn selbst wenn eine Partei ohne Ideologie auskommen mag, die Menschen tun es nicht. Entsprechend hat sich die AfD als Sammelsurium an Meinungen und Überzeugungen entwickelt, bei der der Reaktionäre Bibelgläubige neben einem ehemaligen SPD-Mitglied am Tisch sitzen kann, dem die SPD sich zu sehr in Richtung Kapitalismus entwickelt hat.

Was der Partei-Kohäsion schadet, hat zugleich aber auch wie ein Magnet für Verschwörungsspinner jeder Couleur gewirkt. Ein Rechter Verschwörungsspinner wird in keine dezidiert linke Partei eintreten, ein Linker nicht in eine dezidiert Rechte. Beide können sie sich jedoch in einer „Partei ohne Ideologie“ wiederfinden. Dazu kommt, dass der Slogan zur Bundestagswahl 2013 „Mut zur Wahrheit“ war. Ein Verschwörungstheoretiker ist nur noch kritisch gegenüber den Fakten, nicht mehr jedoch gegenüber seiner Überzeugung einer großen Verschwörung. Entsprechend hat er die Wahrheit gepachtet und konnte so in der Alternative für Deutschland endlich eine Partei sehen, in der er seine Thesen vertreten konnte.

Ich selbst habe Landesvorstandsmitglieder sagen hören, dass deutsche Bundeskanzler vor ihrem Amtsantritt zu den Alliierten des 2. Weltkriegs zum Rapport erscheinen und sich dort auf Anweisungen verpflichten müssten, bevor sie regieren dürften. Bezirksvorstandsmitglieder haben in Wahlkampfreden von der NWO (New World Order) gesprochen, die durch Bilderberger, Rothschilds und Goldman Sachs herbeigeführt werden sollte. Kreisvorsitzende haben undatierte Videos ohne Ortsangabe, auf denen fünf Panzer zu sehen waren, zu einem Beweis der Kriegsvorbereitungen der NATO gegen Russland erklärt. Andere wiederum glauben, dass der Deutsche Personalausweis wertlos sei, da in grün, was dafür spreche dass wir noch nicht souverän seien. Wieder andere glauben an die „BRD GmbH“. Ein Fachausschussvorsitzender erklärte, dass die Anschläge des 11. September 2001 nicht etwa eine Verschwörung von al-Quaida unter Osama bin Laden, sondern eine Verschwörung der US-Regierung gewesen sei.

 

Die Mitglieder sollten um ihre Partei kämpfen

Unter 20.000 Mitgliedern ist die Zahl solcher Irren naturgemäß beschränkt. Wie viele es tatsächlich sind ist völlig unabsehbar. Da diese Irren normalerweise ein großes Sendungsbewusstsein haben dürften, könnte ihre tatsächliche Zahl kleiner sein als befürchtet. Dass aber gleich mehrere Bezirksverbände sich zu einem „Alternativen Wissen Kongress“ zusammenschließen lässt allerdings anderes erahnen.

So oder so gibt es aber tausende und abertausende anständige Mitglieder in der Partei. Mitglieder, die einfach nur von den Grundsätzen vor der Bundestagswahl angezogen wurden. Die in der AfD eine Partei gegen die Eurorettung sahen, eine Partei für das Steuermodell von Kirchhoff, für ein Arbeitsrecht von Asylbewerbern und für eine Punktesystem in der Einwanderung. All diese Dinge sind legitime Forderungen einer demokratischen Partei und haben für sich nichts mit Verschwörungstheorien zu tun. Doch all diese Mitglieder finden sich nun in einer Partei wieder, in Verschwörungstheorien aufblühen.

All diese Mitglieder sollten erkennen, dass sie nun vor nur noch zwei sinnvollen Optionen stehen. Entweder sollten sie erkennen, dass sie in einer Partei mit lauter Irren sind und die logische Konsequenz, den Austritt wählen. Oder aber sie sollten jetzt alles daran setzen diese Wahnsinnigen aus der Partei zu drängen, deren Namen sie permanent in den Dreck ziehen. Ein Abwarten kann es nicht mehr geben. Völlig egal, ob die fünf bis zehn anderen Aktiven in dem eigenen Kreisverband vernünftige Leute sind, wenn in Schleswig-Holstein ein Kreisverband einen Vortrag halten lässt, bei dem der Bau der Gaskammern in Dachau den Alliierten zugeschrieben wird. Solche Aussagen fallen auf die ganz Partei zurück. Sie fallen damit auch auf sie zurück.

 

Offenlegung:

Der Autor war erster Bezirksvorsitzender des AfD-Bezirksverbandes Unterfranken, erster Bundesvorsitzender der Jungen Alternative für Deutschland (JA), Spitzenkandidat des AfD-Landesverbandes Bayern zur Aufstellung zur Europawahl, Direktkandidat zur Bundestagswahl und stellvertretender Sprecher des AfD-Bundesfachausschusses Außen- und Sicherheitspolitik. Er trat der Partei am 23.03.2013 bei und verließ sie am 21.03.2014, wobei er die zu dieser Zeit gehaltenen Posten niederlegte.

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